Analysen lesen: für wie viele Menschen gilt dieser Satz?
Analysen gibt es in allen Größen: zwei Zeilen in der Zeitung, eine Seite aus einem Automaten, dreißig Seiten aus einer Beratung. Von außen sehen sie einander ähnlich, denn sie bestehen alle aus Sätzen über einen Menschen. Was sie voneinander unterscheidet, steht nicht im Text, sondern am Himmel.
Warum manche Aussagen für Millionen gelten
Die Bausteine einer Deutung bewegen sich verschieden schnell. Die Sonne wechselt monatlich das Zeichen, der Mond alle paar Tage, Neptun bleibt jahrzehntelang, wo er ist. Daraus ergibt sich eine Eigenschaft, die jede astrologische Aussage mitbringt, ob sie will oder nicht: eine Reichweite. Sie geht von „gilt für jeden Zwölften“ bis „gilt für die Handvoll, die zur selben Zeit am selben Ort zur Welt kam“.
Wer diese Staffelung kennt, sieht einem Text nach zwei Absätzen an, auf welcher Stufe er arbeitet.
Ein Zwölftel: das Sonnenzeichen
Die Sonne braucht für ein Zeichen rund einen Monat. Eine Aussage, die allein darauf beruht, gilt für jeden zwölften Menschen auf der Welt. Falsch ist sie deshalb nicht, aber sie ist eine Angabe wie die Blutgruppe: zutreffend und trotzdem keine Beschreibung.
Zwei Planeten machen es noch enger. Merkur entfernt sich nie weit von der Sonne und steht immer in ihrem Zeichen oder im Nachbarzeichen, Venus höchstens zwei Zeichen davon. Wer in derselben Woche Geburtstag hat wie Du, teilt deshalb oft gleich drei Angaben mit Dir. Ein Text, der nur damit arbeitet, beschreibt einen Typ und nicht Dich.
Ein Jahrgang: die langsamen Planeten
Weiter draußen wird es zäh. Jupiter braucht für ein Zeichen etwa ein Jahr, Saturn zweieinhalb, Uranus sieben, Neptun rund vierzehn. Pluto liegt je nach Abschnitt seiner Bahn zwischen gut einem Jahrzehnt und mehr als drei.
Das hat eine Folge, die selten dazugesagt wird. Ein Satz, der auf Neptun im Steinbock gebaut ist, gilt für alle, die in vierzehn aufeinanderfolgenden Jahren geboren wurden. Als Beschreibung einer Generation kann so etwas hellsichtig sein. Als Auskunft über Dich ist es ungefähr so persönlich wie das Geburtsjahr im Ausweis.
Ein Tag: der Mond
Der Mond ist der schnellste Punkt im Horoskop. Er wechselt das Zeichen gut alle zwei Tage, und damit wird der Kreis deutlich kleiner: Sonne und Mond ergeben zusammen schon knapp einhundertfünfzig Kombinationen. Nimmt jemand dazu noch die Grade, in denen die beiden stehen, wird daraus eine Angabe, die Du nur mit wenigen Menschen teilst.
Eine Stunde: der Aufgangspunkt
Erst mit der Geburtszeit kommt der Punkt hinzu, der sich am schnellsten ändert: welches Tierkreiszeichen zur Geburtsminute gerade im Osten aufstieg. Mit ihm verschiebt sich die gesamte Einteilung des Horoskops in Lebensbereiche. Zwei Menschen desselben Geburtstags, zwischen denen ein paar Stunden liegen, bekommen an dieser Stelle zwei verschiedene Auswertungen. Hier – und eigentlich erst hier – wird ein Text zu Deinem.
Die Probe am eigenen Text
Leg eine Auswertung neben Dich und geh die Abschnitte der Reihe nach durch: Worauf beruht dieser hier – auf der Sonne, auf einem der langsamen Planeten, auf dem Mond, auf der Geburtszeit? Bleibt am Ende alles auf der ersten Stufe, hältst Du ein Zeichenprofil in längerer Fassung in der Hand, gleichgültig wie viele Seiten es hat.
Die Staffelung hilft noch bei etwas anderem. Sie erklärt, warum sich Menschen desselben Zeichens so unähnlich sein können, und sie entwertet die groben Angaben nicht, sondern weist ihnen ihren Platz zu: Grobes ist Hintergrund, Feines ist Auskunft. Eine ehrliche Auswertung sagt dazu, womit von beidem sie gerade arbeitet.
Ausprobieren lässt sich das nur an einem Bild, für das Datum, Uhrzeit und Ort feststehen. Woraus so ein Bild besteht, zeigen die Horoskope; einen ersten Eindruck bekommst Du mit den kostenlosen Horoskopen.