Liebes- und Flirthoroskop für jedes Sternzeichen: wie Du es liest
Ein Liebes- und Flirthoroskop für jedes Sternzeichen ist ein Text in zwölf Portionen. Du suchst Deine, liest sie, und danach passiert meistens eines von zwei Dingen: Du nickst, oder Du zuckst mit den Schultern. Beides bringt Dich keinen Schritt weiter. Hier steht, was aus so einem Absatz herauszuholen ist, wenn Du ihn nicht nur überfliegst. Solche Reihen erscheinen unter dem Namen einer Astrologin, in diesem Fall Jenny Lynch; worauf es beim Lesen ankommt, hängt aber nicht am Namen, sondern an der Form.
Schreib Deine Frage auf, bevor Du liest
Die meisten öffnen so einen Text ohne Frage. Dann übernimmt der Text die Frage, und die ist fast immer dieselbe: Stimmt das, was hier über mich steht? Das ist die unergiebigste von allen, denn die Antwort kann nur ja oder nein lauten, und hinterher bist Du so schlau wie vorher.
Notiere vorher in einem Satz, was Du eigentlich wissen willst. Nicht „wann kommt jemand“ — darauf antwortet kein ehrlicher Text. Eher so: Warum melde ich mich nach dem dritten Treffen seltener? Warum fällt mir das Anfangen leicht und das Bleiben schwer? Mit so einer Notiz in der Hand liest sich derselbe Absatz anders. Du suchst nicht mehr Bestätigung, sondern einen brauchbaren Satz.
Aus einem Satz eine Beobachtung machen
Deutungstexte sind allgemein formuliert, und das ist keine Schummelei, sondern eine Folge der Form: Ein Satz muss auf viele verschiedene Leben passen. Deine Arbeit besteht darin, ihn wieder konkret zu machen.
Im Text steht: Du brauchst Nähe, hältst Dir aber Deinen Freiraum. Übersetzt heißt das: Wie oft habe ich im letzten Monat eine Verabredung abgesagt, auf die ich mich vorher gefreut hatte? Oder: Zuneigung zeigst Du lieber durch eine Gefälligkeit als durch einen Satz. Übersetzt: Wann habe ich zuletzt jemandem gesagt, dass ich ihn mag, ohne vorher etwas für ihn zu erledigen? Aus einer Eigenschaft wird auf diesem Weg eine Zahl oder eine Erinnerung. Über Eigenschaften lässt sich endlos reden. Über eine abgesagte Verabredung nicht.
Der Satz, der schmeichelt, und der Satz, der trifft
In jedem Absatz stehen zwei Sorten Sätze, und beide werden schlecht behandelt. Der schmeichelhafte rutscht durch: warmherzig, loyal, humorvoll — das liest niemand zweimal. Der unangenehme wird sofort bestritten, ein Gegenbeispiel ist in zwei Sekunden gefunden. Behandle beide gleich und übersetze beide in eine Beobachtung. Erfahrungsgemäß hält der freundliche Satz der Prüfung seltener stand, als man denkt, und der ärgerliche öfter.
Lies die anderen elf
Nimm Dir ein paar Minuten und geh die übrigen Absätze durch, wirklich alle, und streich in jedem an, was auf Dich zutrifft. Ist am Ende in der Hälfte der Texte etwas angestrichen, hat der Text Dir nichts über Dein Zeichen gesagt, sondern etwas über Menschen überhaupt. Das ist kein Grund, ihn wegzuwerfen — Allgemeines kann wahr sein, es ist nur kein Ergebnis. Bleiben dagegen in Deinem Absatz zwei Sätze übrig, die in keinem der anderen elf auftauchen und Dir trotzdem bekannt vorkommen, dann lohnt sich der nächste Schritt.
Zwei Wochen, drei Notizen
Nimm einen einzigen übersetzten Satz mit in den Alltag, nicht fünf. Halte zwei Wochen lang drei Situationen fest, in denen er vorkam oder eben gerade nicht: das Datum und zwei Zeilen dazu. Danach weißt Du, ob die Beschreibung zutrifft, wie oft, und wo sie kippt. Vielen fällt dabei auf, dass eine vermeintliche Charaktereigenschaft an bestimmten Menschen hängt: Bei der einen redest Du frei heraus, bei der anderen wirst Du einsilbig.
Wo das Sonnenzeichen aufhört
Ein nach Zeichen sortierter Text kommt mit dem Geburtsdatum aus, mehr steht ihm nicht zur Verfügung, und für Fragen der Zuneigung ist das die gröbste Einteilung, die es gibt. Was ein vollständiges Geburtsbild darüber hinaus enthält, siehst Du unter Horoskope, die zwölf Zeichen mit ihren Elementen und Herrschern stehen unter Sternzeichen. Und falls sich nach zwei Wochen herausstellt, dass der Satz nicht zutrifft: umso besser. Dann hast Du eine Beobachtung, die aus Deinem Alltag stammt und nicht aus einem Absatz.