Die astrologische Persönlichkeitsanalyse
Die Frage „wer bin ich“ ist nicht die, die die klassische Astrologie stellt. Sie fragt enger und beantwortbarer: womit arbeitet dieser Mensch — welche Grundausstattung, welche Anlagen, welche wiederkehrenden Schwierigkeiten.
Die Reihenfolge
1. Das Temperament. Keine Eindrucksfrage, sondern eine Rechnung: aus Mondzeichen und Mondphase, Aszendent und seinem Herrscher, Jahreszeit und den Planeten an den Achsen. Das Ergebnis ist eine Mischung — cholerisch mit melancholischem Zweitanteil ist etwas anderes als reiner Choleriker — und alles Weitere wird dagegen gelesen. Siehe die vier Elemente.
2. Die Mentalität. Die Bedeuter des Denkens — Merkur, der Mond, und der Planet, mit dem Merkur verbunden ist — zeigen, wie jemand denkt: schnell oder langsam, systematisch oder assoziativ, beweglich oder beharrlich.
3. Die Würden. In welchem Zustand steht jeder Planet für sich, bevor von Aspekten die Rede ist.
4. Die Häuser. In welchem Lebensbereich er wirkt — und ob er von dort aus überhaupt wirken kann.
5. Die Aspekte. Zuletzt. Ein Aspekt zwischen zwei schwachen Planeten bewirkt wenig, so genau er auch sein mag.
Die meisten Fehldeutungen entstehen daraus, dass mit Punkt 5 begonnen wird: ein auffälliger Aspekt springt ins Auge, eine Würde muss man nachschlagen.
Was dabei herauskommt
Eine Beschreibung von Anlagen und von wiederkehrenden Mustern — und, über die Zeittechniken, von Abschnitten, in denen sich etwas bewegt.
Was nicht herauskommt
Keine Diagnose. Weder medizinisch noch psychologisch. Ein Horoskop benennt keine Erkrankung.
Keine Wertung. Es gibt keine guten und schlechten Horoskope. Es gibt Planeten in günstiger und in ungünstiger Verfassung, und jedes Horoskop hat von beidem.
Kein fertiger Mensch. Die alte Formel — die Sterne machen geneigt, aber sie zwingen nicht — ist keine Beschwichtigung, sondern eine zutreffende Beschreibung der Technik. Sie beschreibt Anlagen; was daraus wird, entscheidet sie nicht.
Und die Prüfbarkeit
Das unbequeme Gegenstück: Eine Charakterbeschreibung lässt sich nicht widerlegen. Sie überzeugt beide Seiten und folgt daraus nichts. Wer prüfen will, ob die Technik trägt, muss eine Aussage über einen Zeitraum formulieren, vorher, mit Datum. Siehe warum eine Deutung treffend wirkt.
Verwandt: das persönliche Horoskop.