Astromedizin: die Zuordnung der Körperregionen
Die Zuordnung der zwölf Zeichen zu den Körperregionen heißt Melothesie und ist eine der ältesten und beständigsten Lehren der Astrologie. Sie ist auch diejenige, bei der die Grenze am deutlichsten gezogen werden muss.
Die Reihe
Sie läuft vom Kopf zum Fuß, in der Ordnung des Tierkreises:
- Widder — Kopf, Gesicht, Gehirn
- Stier — Hals, Kehle, Nacken
- Zwillinge — Schultern, Arme, Hände, Lunge
- Krebs — Brust, Magen
- Löwe — Herz, Rücken
- Jungfrau — Bauch, Darm
- Waage — Nieren, Lenden
- Skorpion — Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane
- Schütze — Hüften, Oberschenkel
- Steinbock — Knie, Knochen, Haut
- Wassermann — Unterschenkel, Knöchel, Kreislauf
- Fische — Füße
Die Ordnung ist bemerkenswert stabil: sie steht praktisch unverändert bei Manilius im ersten Jahrhundert und in den Kalendern des 18. Jahrhunderts.
Wozu sie diente
Nicht zur Diagnose, sondern zur Wahl des Zeitpunkts. Die verbreitetste Regel der praktischen Medizin über Jahrhunderte lautete: kein Eingriff an einem Körperteil, während der Mond im zugehörigen Zeichen steht.
Der Aderlasskalender, den jeder Almanach abdruckte, ist genau das. Es ist die am weitesten verbreitete astrologische Anwendung der Geschichte — verbreiteter als das Geburtshoroskop.
Daneben diente die Melothesie dazu, aus dem Geburtshoroskop die anfälligen Stellen zu benennen: ein afflizierter Herrscher des sechsten Hauses in einem bestimmten Zeichen wies auf die zugehörige Region.
Warum das heute nicht diagnostiziert
Unmissverständlich: aus einem Horoskop lässt sich keine Krankheit ablesen.
Es gibt dafür keinen Beleg, und der Versuch schadet auf zwei Wegen. Ein falscher Alarm erzeugt Angst vor etwas, das nicht da ist. Eine falsche Entwarnung hält jemanden vom Arzt fern — und das kann tödlich enden.
Die Melothesie beschreibt eine Zuordnung, keine Vorhersage. Dass der Stier dem Hals zugeordnet ist, sagt nichts darüber, ob ein bestimmter Mensch Halsbeschwerden bekommen wird.
Was daran interessant bleibt
Die Geschichte. Die Melothesie ist das Bindeglied zwischen Astrologie und Medizin, die jahrhundertelang dasselbe begriffliche Gerüst teilten — die vier Qualitäten. Als dieses Gerüst im 19. Jahrhundert wegfiel, endete die Verbindung. Siehe Astrologie und Medizin.
Verwandt: die vier Elemente, die Sternzeichen.