Horoskopanalysen

Der Aszendent

Der Aszendent ist das Zeichen, das im Augenblick der Geburt am östlichen Horizont aufging. Er ist nach der Sonne der bekannteste Faktor eines Horoskops — und in der Deutung wiegt er mehr.

Wie er berechnet wird

Aus dem Schnittpunkt von Ekliptik und Osthorizont, für einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Drei Angaben sind nötig: Datum, genaue Uhrzeit, Ort.

Er rückt etwa alle vier Minuten um ein Grad weiter und durchläuft in vierundzwanzig Stunden den ganzen Tierkreis. Eine Stunde Unsicherheit in der Geburtszeit verschiebt ihn also um bis zu ein ganzes Zeichen.

Das ist der Grund, warum eine seriöse Deutung nach der Uhrzeit fragt, und warum Zeitungsastrologie ihn nicht verwenden kann.

Was er bedeutet

Die Tradition liest ihn als den Menschen selbst: den Körper, das Auftreten, die Art, in der Welt anzukommen. Das erste Haus beginnt an ihm, und alles Weitere hängt daran.

Vor allem aber: der Herrscher des Aszendenten — der Planet, der das aufgehende Zeichen regiert — wird zum wichtigsten Planeten des Horoskops. Sein Zustand entscheidet mehr über die Deutung als jede einzelne Stellung.

Ein Löwe-Aszendent verweist auf die Sonne; steht sie in Würde und an einer Achse, ist das etwas anderes, als stünde sie verbrannt im zwölften Haus. Beide sind „Löwe-Aszendent“, und sie beschreiben verschiedene Menschen. „An einer Achse“ heißt: an einem der vier Eckpunkte, die der Aszendent mit Deszendent, Medium Coeli und Imum Coeli bildet — was die drei anderen anzeigen, kannst Du in einer Übersicht der Achsen und Mondknoten nachlesen.

Warum er mehr sagt als das Sonnenzeichen

Aus zwei Gründen.

Er unterscheidet feiner. Die Sonne bleibt einen Monat in einem Zeichen; alle in diesem Monat Geborenen teilen sie. Der Aszendent wechselt etwa alle zwei Stunden — er trennt Menschen, die am selben Tag geboren sind.

Er bringt die Häuser mit. Ohne ihn gibt es keine Häuser, und ohne Häuser lässt sich nicht sagen, in welchem Lebensbereich ein Planet wirkt. Das ist die Hälfte der Deutung.

Was er nicht ist

Keine „Maske“ und kein „Bild, das man nach außen abgibt“. Diese Deutung ist modern und verengt ihn.

In der Tradition ist der Aszendent der Mensch selbst — Leib und Leben —, nicht sein Auftritt. Was die populäre Fassung als Gegensatz aufbaut, Sonne für innen und Aszendent für außen, hat in der klassischen Technik keine Entsprechung.

Wenn die Geburtszeit fehlt

Dann fehlen Aszendent und Häuser, und man sollte es sagen, statt zu raten. Die Stellung der Planeten in den Zeichen bleibt gültig; alles Hausbezogene nicht.

Es gibt Verfahren, eine Zeit zu rekonstruieren — die Rektifikation, etwa nach dem Animodar —, aber sie sind unsicher und werden in der Praxis gern so lange angewandt, bis das Ergebnis zur erwarteten Deutung passt. Eine ehrliche Unsicherheit ist brauchbarer als eine erfundene Genauigkeit.

Verwandt: die zwölf Häuser, die Planeten, das persönliche Horoskop.