Chinesische Astrologie
Die chinesische Astrologie ist kein regionaler Ableger der westlichen. Sie hat eine eigene Geschichte, eine eigene Rechenweise und einen eigenen Begriff davon, was ein Horoskop überhaupt beschreibt.
Was sie nicht ist
Sie ordnet Menschen nicht nach zwölf Geburtsmonaten, sondern nach Jahren — und selbst das ist eine Vereinfachung. Was im Westen als „chinesisches Horoskop“ bekannt ist, also die zwölf Tiere nach Geburtsjahr, ist nur der äußerste Rand eines deutlich größeren Systems.
Stämme und Zweige
Die Grundlage ist ein Kalender aus zwei Reihen: zehn Himmelsstämme und zwölf Erdzweige. Die zwölf Zweige sind die bekannten Tiere. Beide Reihen laufen gleichzeitig weiter und ergeben einen Zyklus von sechzig Kombinationen — deshalb ist ein „Holz-Drache“ etwas anderes als ein „Feuer-Drache“, und beide wiederholen sich erst nach sechzig Jahren.
Ein vollständiges Geburtsbild — die vier Säulen, Bazi — besteht aus je einem Stamm-Zweig-Paar für Jahr, Monat, Tag und Stunde. Die Stunde gehört dazu, genau wie im Westen die Geburtszeit.
Die fünf Wandlungsphasen
Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser — und entscheidend sind nicht die Phasen selbst, sondern ihre Beziehungen: Jede nährt eine andere und beherrscht eine dritte. Holz nährt Feuer, Feuer nährt Erde; Holz beherrscht Erde, Erde beherrscht Wasser.
Gedeutet wird über dieses Geflecht. Man fragt, welche Phase im Bild überwiegt, welche fehlt, was nährt und was hemmt — nicht, welche Eigenschaften ein Tier hat.
Der Unterschied zur westlichen Astrologie
| Westlich | Chinesisch | |
|---|---|---|
| Grundlage | Stand der Planeten am Himmel | Kalenderzyklus aus Stämmen und Zweigen |
| Rechnung | Astronomisch, ortsabhängig | Kalendarisch, ortsunabhängig |
| Gedeutet wird | Planeten in Zeichen und Häusern | Verhältnis der fünf Wandlungsphasen |
| Jahresbeginn | Sonneneintritt in den Widder | Frühlingsfest bzw. Frühlingsbeginn, je nach Schule |
Eine dritte Spalte gehörte der indischen Astrologie: Ihre Grundlage ist wie im Westen der Stand der Planeten, gerechnet wird dort allerdings mit neun Grahas, die beiden Mondknoten eingeschlossen.
Der praktische Punkt: Ein chinesisches Bild braucht keine geografischen Koordinaten, weil nichts daran astronomisch berechnet wird. Es ist ein anderes Verfahren, nicht dasselbe mit anderen Namen.
Ein häufiger Irrtum
Das chinesische Jahr beginnt nicht am 1. Januar. Wer im Januar oder Februar geboren ist, gehört häufig noch zum vorangehenden Tier — eine der häufigsten Fehlzuordnungen in populären Darstellungen.
Verwandt: das chinesische Horoskop mit den zwölf Tieren.