Astrologe werden
Astrologie ist ein Handwerk. Du kannst sie wie eine Sprache lernen: erst der Grundwortschatz, dann die Grammatik, dann viel Übung. Diese Seite zeigt Dir, was dazugehört und in welcher Reihenfolge Du vorgehst.
Was ein Astrologe tatsächlich tut
Die Arbeit beginnt nicht mit der Deutung, sondern mit einer Berechnung. Aus Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort entsteht das Radix: eine Momentaufnahme des Himmels über genau diesem Ort in genau dieser Minute. Erst wenn diese Zeichnung steht, wird gedeutet: Der Astrologe liest, wie die Planeten zueinander stehen, und übersetzt das Muster in Sätze, mit denen ein Ratsuchender etwas anfangen kann.
Ein großer Teil der Arbeit ist deshalb Gesprächsarbeit. Ein fehlerfrei berechnetes Horoskop nützt niemandem, wenn es niemand verständlich erklärt.
Der Grundwortschatz
Vier Bausteine reichen für den Anfang:
- Die zwölf Tierkreiszeichen beschreiben das Wie. Jedes umfasst 30 Grad des Tierkreises.
- Die Planeten beschreiben das Was: welche Kraft wirkt. Sonne und Mond zählen dazu, außerdem Merkur bis Pluto. Jeder hat seine eigene Umlaufzeit.
- Die zwölf Häuser beschreiben das Wo: an welchem Ort im Leben etwas stattfindet – Beruf, Partnerschaft, Herkunft, Besitz. Für sie brauchst Du die genaue Geburtszeit.
- Die Aspekte sind Winkel zwischen zwei Planeten: Konjunktion (0°), Sextil (60°), Quadrat (90°), Trigon (120°), Opposition (180°).
Zwei Ordnungen helfen Dir, die zwölf Zeichen zu verstehen, statt sie auswendig zu lernen: die vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser sowie die drei Qualitäten kardinal, fix und veränderlich. Jede Kombination aus beidem kommt genau einmal vor – das ergibt die zwölf.
Eine Reihenfolge, die funktioniert
Die meisten Anfänger wagen sich zu früh an die Deutung ganzer Lebensläufe. Besser gehst Du in Schritten vor:
- Das eigene Horoskop berechnen. Besorg Dir Deine genaue Geburtszeit beim Standesamt: Sie steht im beglaubigten Ausdruck aus dem Geburtenregister – die Geburtsurkunde selbst nennt die Uhrzeit in der Regel nicht. Ohne sie bleibt jede Häuserdeutung bloßes Raten.
- Den Aszendenten verstehen. Er ist das Zeichen, das im Geburtsmoment am östlichen Horizont aufgeht. Weil sich die Erde in 24 Stunden einmal dreht, wandert er im Mittel in rund zwei Stunden durch ein ganzes Zeichen, und vier Minuten Abweichung verschieben ihn bereits um etwa ein Grad. Das sind Mittelwerte: Wie lange ein Zeichen wirklich zum Aufsteigen braucht, hängt vom Zeichen und von der Breite des Geburtsortes ab.
- Planet für Planet. Sieh Dir einen einzelnen Planeten in zwanzig Horoskopen an, bevor Du zum nächsten übergehst.
- Erst zum Schluss die Zusammenschau des ganzen Horoskops.
Rechne die ersten Horoskope von Hand mit einer Ephemeride, einer Tabelle der täglichen Planetenstände. Software nimmt Dir das später ab, aber wer einmal selbst interpoliert hat, der merkt es, wenn ein Programm Unsinn ausgibt. Zum Weiterlesen hilft Dir die Auswahl unter Astro-Bücher.
Ausbildung, Prüfung und Praxis
„Astrologe“ ist im deutschsprachigen Raum keine geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt keine staatliche Ausbildung und keinen amtlichen Abschluss – jeder darf sich so nennen. Genau deshalb sagt eine Ausbildung etwas aus: Berufsverbände bieten mehrjährige Lehrgänge mit Prüfung an, meist berufsbegleitend über zwei bis vier Jahre. Daneben gibt es Fernkurse, Studiengruppen und viel Selbststudium.
Wer mit der Beratung Geld verdienen will, muss sich um Anmeldung und Steuern kümmern. Die Regeln unterscheiden sich dabei von Land zu Land: In Deutschland ist in der Regel ein Gewerbe anzumelden, in Österreich und der Schweiz gelten eigene Vorschriften. Erkundige Dich bei der zuständigen Behörde, bevor Du Geld nimmst. Kalkuliere nüchtern: Die ersten Beratungen dauern lange und bringen wenig ein. Übe mit Menschen, die Dir ehrliche Rückmeldung geben.
Was die Astrologie Dir nicht sagt
Bleibt die ehrliche Grenze: Astrologie ist keine anerkannte Wissenschaft. Kontrollierte Studien haben ihre Aussagen bisher nicht bestätigen können, ein nachgewiesener Wirkmechanismus fehlt. Ein Horoskop nennt Dir kein Datum, keinen Namen und keine Krankheit. Es ersetzt weder Arzt noch Therapeut noch Anwalt, und seriöse Astrologen äußern sich weder zu Diagnosen noch zur Lebenserwartung.
Leisten kann es etwas anderes: ein Ordnungsraster, mit dem Du eigene Muster besser beschreiben kannst. Wer diese Grenze offen benennt, der verliert keine Glaubwürdigkeit – er gewinnt sie. Zum Hineinschnuppern eignen sich die kostenlosen Horoskope oder die Übersicht zur Astrologie.