Horoskopanalysen

Astrologie und ihre Skeptiker

Kaum ein Thema teilt einen Abend so zuverlässig wie die Astrologie. Die eine Hälfte am Tisch findet sie spannend, die andere hält sie für Aberglauben, und beide reden meistens aneinander vorbei. Hier werden die Einwände einmal in Ruhe auseinandergenommen, einer nach dem anderen, samt den Stellen, an denen die Kritik schlicht recht behält.

Drei Einwände, die nichts miteinander zu tun haben

Wenn jemand sagt, das sei doch alles Unsinn, können drei sehr verschiedene Gedanken dahinterstecken. Es lohnt sich, sie zu trennen, denn jeder verlangt eine eigene Antwort.

Der erste zielt auf die Formulierungen, der zweite auf das Verfahren, der dritte auf die Begründung. Wer alle drei in einen Satz packt, diskutiert am Ende über nichts Bestimmtes mehr.

Der Barnum-Effekt und was Du selbst damit anfangen kannst

Der psychologische Einwand ist der stärkste. Fachleute kennen den Mechanismus als Barnum- oder Forer-Effekt: Legt man einer Gruppe dieselbe, absichtlich allgemein gehaltene Charakterbeschreibung vor und behauptet, sie sei persönlich erstellt, halten die meisten sie für erstaunlich treffend. Ein Satz wie „nach außen wirkst Du sicher, innerlich zweifelst Du öfter, als andere ahnen“ passt fast immer, weil er beide Möglichkeiten zugleich anbietet.

Dazu kommt der Bestätigungsfehler. Treffer bleiben haften, Fehlgriffe verschwinden aus der Erinnerung. Wer vierzig Wochenhoroskope liest, erinnert sich an die drei, die passten.

Zwei Proben dagegen kosten zehn Minuten. Erstens: Lies die Wochentexte aller zwölf Zeichen, ohne auf die Überschriften zu schauen, und versuche hinterher, Deinen herauszufinden. Zweitens: Schreib eine Vorhersage mitsamt Datum auf einen Zettel, leg ihn weg und hol ihn nach drei Monaten wieder hervor. Beides wirkt ernüchternd und ist trotzdem die einzig faire Art, sich eine Meinung zu bilden.

Zeitungsspalte und Geburtshoroskop sind zwei Paar Schuhe

Viel Kritik trifft die Rubrik in der Wochenzeitschrift, und dort trifft sie ins Schwarze: Zwölf kurze Absätze werden auf die gesamte Bevölkerung verteilt, allein nach dem Monat der Geburt sortiert. Ein berechnetes Geburtsbild arbeitet anders. Es braucht Datum, Uhrzeit und Ort, und es liefert keine Botschaft für die Woche, sondern eine Zeichnung des Himmels über einem einzigen Ort in einer einzigen Minute.

Dieser Hinweis ist berechtigt, aber er ist kein Freispruch. Er verschiebt die Frage nur: Prüfbar müsste dann eben das vollständige Horoskop sein. Und genau da wird es unbequem.

Was Prüfungen bisher ergeben haben

In den bekannten Versuchsanordnungen sollten erfahrene Astrologen Geburtsbilder den passenden Persönlichkeitsprofilen oder Lebensläufen zuordnen, ohne die Personen zu kennen. Über viele Durchgänge hinweg lagen die Ergebnisse nicht verlässlich über dem, was bloßes Raten ergeben hätte. Einzelne Untersuchungen mit auffälligen Häufungen wurden viel zitiert, blieben aber umstritten und ließen sich nicht stabil wiederholen.

Auch das Kräfteargument trägt nicht weit. Rechnet man die Schwerkraft aus, die ein weit entfernter Planet auf ein Neugeborenes ausübt, landet man weit unter der Anziehung der Menschen, die im selben Raum stehen. Erfahrene Astrologen berufen sich deshalb meist gar nicht auf physikalische Einflüsse, sondern auf eine Entsprechung zwischen Himmelsstand und Ereignis, auf ein gleichzeitiges Muster also. Das ist ehrlicher, nimmt der Sache aber die naturwissenschaftliche Begründung: Eine Entsprechung lässt sich behaupten, aber nicht messen.

Was nach dem Abzug übrig bleibt

Ein Beweis wird daraus nicht mehr, und wer Dir einen verspricht, verkauft Dir etwas. Übrig bleibt ein Ordnungssystem: zwölf Zeichen, eine Handvoll Himmelskörper, zwölf Lebensbereiche. Ein Vokabular für Eigenarten, für die im Alltag die Worte fehlen, und ein Anlass, über Dinge zu sprechen, die sonst unbesprochen bleiben. Ob Dir das etwas wert ist, entscheidet keine Studie, sondern Du.

Zwei Haltungen helfen dabei, egal auf welcher Seite Du stehst: Nimm nichts an, was Du nicht selbst nachprüfen kannst, und misstraue jedem, der mit dem Himmel Angst macht oder Geld dafür nimmt, ein angekündigtes Unglück abzuwenden. Wer sich einen eigenen Eindruck verschaffen möchte, findet einen unaufgeregten Einstieg bei den kostenlosen Horoskopen und im Überblick zur Astrologie.