Aszendent und Sonnenzeichen zusammenlesen
Du kennst Dein Sonnenzeichen, und Deinen Aszendenten hast Du auch herausgefunden. Nur passen die beiden Beschreibungen, die Du dazu findest, selten zusammen. Genau darum geht es hier: wie aus zwei Angaben eine einzige Lesart wird. Wie der Aszendent berechnet wird und warum er in der Deutung so schwer wiegt, steht unter Aszendent.
Womit man anfängt
Mit dem Aszendenten. Der Grund ist einfach: Solange das aufgehende Zeichen nicht feststeht, ist ein Horoskop ein Kreis ohne Anfang. Erst der Aszendent legt fest, wo gezählt wird — und ab da hat jedes Zeichen nicht nur einen Namen, sondern auch einen Platz.
Die Sonne kommt danach. Sie behält ihr Zeichen, bekommt aber zusätzlich einen Ort in diesem Kreis, und dieser Ort sagt, in welchem Teil des Lebens sie sich hauptsächlich abspielt. Wer umgekehrt anfängt, hat am Ende zwei Beschreibungen und keine Stelle, an der sie sich treffen.
Die zwölf Aszendenten und ihre Herrscher
Zu jedem Tierkreiszeichen gehört ein Planet. Steht das Zeichen am Aszendenten, rückt dieser Planet im ganzen Horoskop nach vorn; was das für die Deutung bedeutet, ist unter Aszendent ausgeführt. Für das Zusammenlesen brauchst Du zunächst nur die Zuordnung:
- Widder — Mars
- Stier — Venus
- Zwillinge — Merkur
- Krebs — Mond
- Löwe — Sonne
- Jungfrau — Merkur
- Waage — Venus
- Skorpion — Mars, in moderner Lesart Pluto
- Schütze — Jupiter
- Steinbock — Saturn
- Wassermann — Saturn, in moderner Lesart Uranus
- Fische — Jupiter, in moderner Lesart Neptun
Damit hast Du zwei Dinge zum Nachschlagen statt einem: das aufgehende Zeichen und seinen Planeten. Was der Planet jeweils beschreibt, findest Du unter Planeten. Und weil dieser Planet bei jedem Menschen woanders steht, fallen zwei Horoskope mit demselben Aszendenten oft sehr verschieden aus — der Grund, warum kurze Aszendenten-Steckbriefe so selten treffen.
In welchem Haus Deine Sonne steht
Dafür gibt es eine Abkürzung, die ohne Rechnung auskommt. Nimm das aufgehende Zeichen als erstes Haus und zähle in der Reihenfolge des Tierkreises weiter, bis Du bei Deinem Sonnenzeichen ankommst. Die Zahl, bei der Du landest, ist das Haus Deiner Sonne.
Ein Beispiel: Aszendent Waage, Sonne im Wassermann. Von der Waage aus gezählt — Waage eins, Skorpion zwei, Schütze drei, Steinbock vier, Wassermann fünf. Die Sonne steht also im fünften Haus, dem Bereich von Spiel, Gestaltung und allem, was jemand aus eigenem Antrieb hervorbringt. Dieselbe Sonne im Wassermann sähe bei einem Fische-Aszendenten ganz anders aus: Dort landet sie im zwölften Haus, also weit abseits des Auftritts.
Die Abkürzung setzt voraus, dass jedes Haus genau ein Zeichen füllt. In anderen Häusersystemen verschieben sich die Grenzen, und die Sonne kann ein Haus weiter vorn oder hinten liegen. Als erste Orientierung reicht es; genau wird es erst mit der gerechneten Zeichnung, wie sie unter Horoskope beschrieben ist.
Zwei Kombinationen, gegeneinander gelesen
Der häufigste Fehler beim Zusammenlesen ist die Aufteilung in innen und außen, als wären zwei Personen im Spiel, eine echte und eine vorgezeigte. Näher kommt man mit einer anderen Aufteilung: Der Aszendent sagt, wie jemand vorgeht; die Sonne sagt, worauf er hinauswill.
Sonne im Krebs, Aszendent Schütze: Der Zugang ist offen und unternehmungslustig, jemand, der gern unterwegs ist — das Ziel dahinter aber ist häuslich. Solche Menschen reisen viel und reden dabei davon, endlich anzukommen.
Und andersherum, Sonne im Schützen, Aszendent Krebs: vorsichtiger Anfang, langes Abwägen, ein Mensch, der zögert, bis es losgeht — und dann nicht mehr einzuholen ist. Was von außen wie Zurückhaltung wirkt, ist der Anlauf.
Zweimal dieselben zwei Zeichen, und zwei Leben, die wenig miteinander zu tun haben.
Der Deszendent kommt gratis dazu
Gegenüber dem aufgehenden Zeichen liegt immer sein Gegenstück, der Deszendent. Bestimmen musst Du ihn nicht, er ergibt sich von selbst: Widder-Aszendent heißt Waage-Deszendent, Krebs heißt Steinbock, Löwe heißt Wassermann, Jungfrau heißt Fische.
Gelesen wird dort alles, was mit anderen zu tun hat: wonach Du in Menschen suchst und was Du ihnen gern überlässt, statt es selbst zu übernehmen. Deshalb begegnen Dir dort häufig Eigenschaften, die Du bei Dir selbst vermisst und bei Deinen engsten Leuten wiederfindest.
Drei Missverständnisse
„Dann bin ich ja gar kein Stier.“ Doch. Der Aszendent tritt nicht an die Stelle des Sonnenzeichens. Er sagt, in welchem Gelände es sich bewegt.
„Zusammen ergibt das eine Mischung.“ Eher nicht. Aus Feuer und Wasser wird nichts Lauwarmes; die beiden bleiben unterscheidbar und arbeiten oft gegeneinander. Diese Reibung ist meistens der ergiebigste Teil einer Deutung — sie zu glätten hieße, sie wegzuerklären.
„Der Aszendent zeigt sich erst in der zweiten Lebenshälfte.“ Ein verbreiteter Satz, für den die klassische Technik nichts hergibt. Das aufgehende Zeichen wirkt von der ersten Minute an. Was sich mit den Jahren ändert, ist nicht seine Wirkung, sondern die Bereitschaft, sie bei sich zu bemerken.
Wie die zwölf Zeichen untereinander zusammenhängen, steht unter Sternzeichen; was ein vollständiges Geburtsbild sonst noch enthält, unter Astrologie.