Horoskopanalysen

Das kabbalistische Horoskop und der Lebensbaum

Wenn Dir irgendwo ein kabbalistisches Horoskop begegnet, steckt dahinter selten eine Sternkarte. Gemeint ist fast immer ein Diagramm: der Lebensbaum mit seinen zehn Stationen. Diese Seite zeigt Dir, wie dieses Diagramm aufgebaut ist, woher es kommt und wann die Planeten dazugekommen sind.

Zehn Stationen und zweiundzwanzig Verbindungen

Die älteste Quelle, das Sefer Jetzira, spricht von zweiunddreißig Pfaden der Weisheit: zehn Sefirot und zweiundzwanzig Buchstaben. Die zehn Sefirot sind keine Orte, sondern Wirkweisen — Stufen, über die etwas aus einer Idee in die Wirklichkeit gelangt.

Ihre Namen, von oben nach unten: Keter (Krone), Chochma (Weisheit), Bina (Einsicht), Chesed (Güte), Gewura (Strenge), Tiferet (Schönheit), Nezach (Dauer), Hod (Glanz), Jesod (Grundlage) und Malchut (Königreich). In der bildlichen Darstellung werden die zweiundzwanzig Buchstaben zu den Linien zwischen diesen Stationen. Die Zeichnung, die Du heute überall siehst, ist allerdings jünger als der Text: Ihre feste Form bekam sie erst in Drucken des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts.

Was aus der jüdischen Tradition stammt und was nicht

Ursprünglich ist die Kabbala eine Auslegungstradition des Judentums. Ihre zentralen Schriften — das Buch Bahir im zwölften, der Sohar am Ende des dreizehnten Jahrhunderts — arbeiten an Texten und an Gottesvorstellungen. Sie beschreiben keine Charaktere und stellen niemandem eine Prognose.

Der Schritt in die Esoterik kam von außen. In der Renaissance begannen christliche Gelehrte, kabbalistische Begriffe in ihre eigene Philosophie einzubauen; von dort führt eine Linie bis zu den okkulten Orden des neunzehnten Jahrhunderts, die daraus ein geschlossenes Zuordnungssystem gebaut haben. Wer heute ein kabbalistisches Horoskop vor sich hat, liest fast immer diese jüngere, westlich-esoterische Fassung — nicht die Tradition, auf deren Namen sie sich beruft. Beides trägt denselben Namen und meint nicht dasselbe.

Wie die Planeten auf den Baum kamen

Die Verbindung zur Astrologie entsteht an sieben der zehn Stationen. Zugeordnet werden die sieben klassischen Planeten: Saturn zu Bina, Jupiter zu Chesed, Mars zu Gewura, die Sonne in die Mitte zu Tiferet, Venus zu Nezach, Merkur zu Hod und der Mond zu Jesod, unmittelbar über Malchut.

Diese Reihe ist nicht willkürlich. Sie folgt der überlieferten Ordnung der Himmelskörper nach ihrer scheinbaren Geschwindigkeit: Saturn zieht am langsamsten durch den Tierkreis, der Mond am schnellsten. Auf dem Baum steht der langsamste damit oben, der schnellste unten, direkt an der Welt. Für die beiden obersten Stationen bleibt kein Planet übrig; sie liegen in dieser Lesart jenseits dessen, was sich am Himmel beobachten lässt. Und für Malchut ganz unten braucht es keinen: Dort kommt an, was die ganze Reihe durchlaufen hat.

Ebenfalls im neunzehnten Jahrhundert wurden die zweiundzwanzig Verbindungslinien mit den zweiundzwanzig Trumpfkarten des Tarot gleichgesetzt. Seitdem hängen Baum, Karten und Planeten in vielen Systemen aneinander — eine vergleichsweise junge Setzung, keine Überlieferung.

Die vier Welten

Neben den zehn Stationen kennt die Kabbala vier Welten, durch die etwas absteigt, bis es greifbar wird: Azilut, Beria, Jezira und Assija. Die westliche Esoterik hat über diese vier später die vier Elemente gelegt. Auch das ist eine Zutat und keine Herkunft. Was Feuer, Erde, Luft und Wasser in der Astrologie selbst bedeuten, steht unter vier Elemente.

Was so ein Horoskop leisten kann

Sachlich betrachtet fügt der Lebensbaum Deinem Geburtsbild keine einzige neue Angabe hinzu. Er nimmt dieselben sieben klassischen Planeten und ordnet sie anders an: nicht im Kreis um einen Geburtsmoment herum, sondern in einer Kette von oben nach unten. Was er dadurch kann, ist eine Frage stellen: An welcher Stelle bleibt bei Dir etwas hängen? Kommt eine Sache über den Entwurf nicht hinaus, scheitert sie an der Strenge, mit der Du sie prüfst, oder fehlt am Ende schlicht die Umsetzung?

Als Ordnungsbild ist das brauchbar. Als Tatsachenaussage über Dein Leben taugt es nicht. Wenn Du lieber mit den Bausteinen anfängst, die sich wirklich berechnen lassen, findest Du sie unter Planeten und Horoskope.