Horoskopanalysen

Risiko: was das Wort in einem Gesundheitshoroskop bedeutet

In Texten über Gesundheit taucht ein Wort fast zwangsläufig auf: Risiko. Es klingt nach Messung, nach Zahlen, nach etwas, das jemand nachgeschlagen hat. Deshalb lohnt ein ruhiger Blick darauf, was eine Risikoangabe leisten muss, damit sie den Namen verdient. Danach ordnest Du solche Sätze ohne Mühe ein – im Gesundheitshoroskop, in der Werbung, in einer Schlagzeile.

Ein Wort aus einem anderen Fach

In der Statistik und im Versicherungswesen hat Risiko eine genaue Bedeutung: wie häufig ein bestimmtes Ereignis in einer bestimmten Gruppe innerhalb einer bestimmten Zeit vorkommt. Drei Angaben, und keine davon lässt sich weglassen. Ohne das Ereignis weißt Du nicht, wovon die Rede ist. Ohne die Gruppe fehlt der Vergleich. Ohne den Zeitraum bedeutet dieselbe Zahl mal viel und mal nichts.

Fehlt eine der drei, ist der Satz kein Risiko, sondern eine Stimmung.

Das Doppelte wovon?

Die häufigste Irreführung steckt im Wörtchen doppelt. Angenommen, unter zehntausend Menschen einer Gruppe trifft etwas zwei Personen, in einer anderen vier. Das ist eine Verdopplung, und sie klingt beunruhigend. In absoluten Zahlen sind es zwei Fälle mehr unter zehntausend. Beide Fassungen beschreiben dasselbe, und nur die zweite beantwortet, was Du wissen wolltest.

Daraus folgt eine Faustregel, die weit über die Astrologie hinaus trägt: Eine Verhältniszahl ohne ihre Ausgangszahl ist keine Auskunft, sondern ein Effekt.

Woher solche Zahlen kommen

Sie werden gezählt, und das ist mühsam. Man begleitet große Gruppen über Jahre, hält fest, was eintritt, und vergleicht mit einer Gruppe, die sich in genau dem untersuchten Merkmal unterscheidet. Das dauert und kostet, und es ist der einzige Weg, auf dem eine Risikozahl entsteht.

Ein Geburtsbild liefert davon nichts. Es ist eine Zeichnung von Positionen zu einem Zeitpunkt, keine Auszählung von Fällen. Eine Häufigkeit ist daraus so wenig abzulesen, wie sich aus einem Stadtplan ergibt, wie viele Menschen in einer bestimmten Straße wohnen: Der Plan zeigt, wo die Straße verläuft, zählen muss jemand hingehen.

Wenn ein astrologischer Text also von Risiken spricht, ist das Wort geborgt. Gemeint ist meistens etwas anderes, und dafür gibt es bessere Wörter: eine Neigung, eine Gewohnheit, eine Stelle, an der Du erfahrungsgemäß nachlässig wirst. Solche Beschreibungen kannst Du an Deinem eigenen Leben messen. Eine Zahl, die niemand gezählt hat, bleibt eine Behauptung, so bestimmt sie auch auftritt.

Zwei Rückfragen, die immer passen

Verglichen womit? Jede Aussage über erhöhte oder verringerte Häufigkeit braucht eine zweite Gruppe. Fehlt sie, ist offen, ob überhaupt ein Unterschied behauptet wird.

Wie viele von hundert? Diese Frage zwingt jede Verhältniszahl zurück auf den Boden. Sie ist unhöflich, sie ist einfach, und sie klärt in einem Satz, ob jemand etwas weiß oder etwas erzählt.

Wo der Text aufhört

Eines bleibt davon unberührt: Beschwerden gehören untersucht, und zwar von Menschen mit Ausbildung und Geräten. Kein Text ersetzt das, und keiner darf es verzögern. Wie ein Text klingt, ändert daran nichts. Eine beruhigende Formulierung ist so wenig eine Auskunft über Deinen Körper wie eine beunruhigende; beide reden über etwas, das sie nicht gezählt haben.

Warum die Wortwahl mehr ist als Pedanterie

Ein Text, der mit Gefahren arbeitet, die er nicht beziffern kann, hinterlässt eine Unruhe, mit der Du nichts anfangen kannst. Prüfen lässt sie sich nicht, widerlegen auch nicht; mitnehmen musst Du sie trotzdem. Ein Text, der von Neigungen und Gewohnheiten spricht, lädt Dich dagegen zum Nachsehen ein: Stimmt das? Erkenne ich mich wieder? War das letzte Woche so?

Der Unterschied liegt nicht im Wissen über Dich – das ist in beiden Fällen gleich gering. Er liegt darin, was der Text mit Dir vorhat. Diesen Maßstab kannst Du ohne jede Vorkenntnis anlegen, und er hält weit über die Astrologie hinaus. Welche Auswertungen es überhaupt gibt und was jede von ihnen verspricht, steht unter Horoskope.