Die Persönlichkeitsanalyse aus dem Computer
Die meisten schriftlichen Persönlichkeitsanalysen, die heute im Umlauf sind, hat kein Mensch geschrieben. Ein Programm rechnet das Geburtsbild und setzt den Text aus vorbereiteten Bausteinen zusammen. Das ist kein Makel. Es lohnt sich nur zu wissen, wie ein solches Heft entsteht, denn daraus folgt, was man von ihm erwarten darf.
Wie der Text zusammengesetzt wird
Zu jeder Stellung, die die Rechnung hergibt, gehört im Programm ein Textbaustein: Sonne im Zeichen, Sonne im Haus, Mond im Zeichen, Mond im Haus, dazu die Winkel zwischen den Faktoren. Das Programm prüft, welche Konstellationen in Deinem Bild vorkommen, holt die zugehörigen Absätze und hängt sie aneinander. Ein paar hundert Bausteine genügen, damit praktisch nie zwei gleiche Hefte entstehen.
Zweierlei folgt daraus sofort. Erstens steht jeder Absatz für sich: Geschrieben wurde er, ohne dass sein Verfasser die übrigen Stellungen Deines Bildes kannte. Zweitens ist die Abfolge im Heft eine Gliederung, keine Rangfolge. Was vorn steht, ist nicht das Wichtigste, sondern das, was im Rechenweg zuerst drankommt.
Was die Sternchen messen
Viele Programme setzen hinter jeden Aspekt eine Zahl von Sternchen, meist eins bis fünf. Gemessen wird damit in aller Regel, wie genau der Winkel ausfällt: Ein Aspekt, der auf ein halbes Grad stimmt, bekommt mehr als einer, der sechs Grad daneben liegt; manche Programme rechnen zusätzlich ein, welche Planeten beteiligt sind.
Die Zahl ist damit ein Maß für die Schärfe einer einzelnen Konstellation, nicht für ihr Gewicht in Deinem Leben. Zum Sortieren innerhalb des Hefts ist sie brauchbar. Zum Vergleich zwischen zwei Menschen taugt sie nicht, und darüber, ob ein Thema bei Dir gerade aktuell ist, sagt sie nichts.
Was ein Programm nicht kann
- Es kennt Deine Lage nicht. Derselbe Absatz geht an eine Siebzehnjährige und an einen Mann von sechzig.
- Es merkt nicht, wenn die Geburtszeit unsicher ist. Es rechnet mit dem, was eingetippt wurde, und gibt die Häuser-Kapitel ebenso zuversichtlich aus wie alles andere — obwohl gerade sie bei einer gerundeten Uhrzeit die wackligsten sind, weil sich mit dem Aszendenten alle zwölf verschieben.
- Es fasst nicht zusammen. Am Ende steht kein Satz darüber, wohin das Ganze neigt, weil dafür ein Baustein fehlt, der alle anderen kennt.
- Es antwortet nicht. Eine Rückfrage stellen zu können ist der eigentliche Unterschied zu einem Gespräch.
Das sind keine Fehler im eigentlichen Sinn, sondern die Bauart: Ein Baustein kann nur wissen, was in ihm selbst steht.
Woran Du ein Heft aus der Maschine erkennst
Dabei steht es selten. Am Text lässt es sich trotzdem ablesen.
- Die Überschriften nennen Stellungen statt Themen: „Mars im sechsten Haus“, nicht „Arbeit und Ärger“.
- Jede Stellung bekommt ungefähr gleich viel Platz — auch die, die in Deinem Bild kaum ins Gewicht fällt.
- Zwei Absätze behaupten Gegenteiliges, und keiner von beiden erwähnt den anderen.
Keines dieser Merkmale macht ein Heft wertlos. Sie markieren nur, wo es aufhört. Ein Programm liefert die vollständige Liste dessen, was in einem Geburtsbild steht, lückenlos und ohne Vorlieben — das bekommt kein Mensch so hin. Was es nicht liefert, ist die Entscheidung, welche drei dieser Punkte für Dich gerade etwas bedeuten. Die bleibt offen, ob Du sie selbst triffst oder jemanden danach fragst. Wie die einzelnen Faktoren gerechnet werden und was sie beschreiben, steht bei den Horoskopen.