Horoskopanalysen

Liebeshoroskop: Anziehung, Bedürfnis und Alltag

Drei Fragen stecken in jedem Liebeshoroskop, und weil sie selten getrennt werden, reden Text und Leser regelmäßig aneinander vorbei. Die erste: Was zieht Dich an? Die zweite: Was brauchst Du? Die dritte: Was hältst Du über Jahre hinweg aus? Anziehung, Bedürfnis und Alltagstauglichkeit sind drei verschiedene Dinge, und im Geburtsbild ist für jedes eine andere Stelle zuständig.

Der erste Eindruck und der Aszendent

Bevor jemand Dich kennt, erlebt er, wie Du ankommst: das Tempo, den Tonfall, die Art, einen Raum zu betreten. Dafür ist der Aszendent zuständig. Eine Maske ist er dabei ausdrücklich nicht — in der überlieferten Lehre steht er für die Person und nicht für eine Rolle, die sie vor anderen spielt. Was in der ersten Viertelstunde ankommt, ist echt.

Trotzdem kennt fast jeder die Erfahrung, dass sich in der dritten oder vierten Woche einer Bekanntschaft etwas verschiebt. Das liegt nicht daran, dass jemand geschauspielert hätte. Eine erste Begegnung zeigt den Anfang eines Menschen, und der Anfang ist der kleinste Teil. Alles Weitere hängt an anderen Stellen — an dreien davon vor allem.

Was Du brauchst, steht beim Mond

Der Mond ist in Liebesdeutungen der am meisten übergangene Faktor. Venus und Mars bekommen die Aufmerksamkeit, weil sie von Geschmack und Begehren sprechen; davon handelt der Löwenanteil aller Texte. Der Mond dagegen beschreibt das Bedürfnis, und Bedürfnisse sind unnachgiebiger als Geschmack.

Was für Dich Nähe heißt, ist erstaunlich konkret und von Mensch zu Mensch verschieden. Für die eine ist es das Gespräch am Abend, für den anderen ein verlässlicher Rhythmus, für die dritte, dass jemand im selben Raum sitzt und nichts sagen muss. Über Geschmack lässt sich verhandeln. Über ein Bedürfnis kann man streiten, bis beide müde sind, und es ist hinterher immer noch da.

Deshalb erklärt der Mond etwas, wozu Venus und Mars schweigen: nicht, warum es funkt, sondern warum es nach einem Jahr eng wird.

Der Alltag: Sprache und Verbindlichkeit

Zwei unspektakuläre Größen entscheiden erfahrungsgemäß mehr als jede Anziehung. Die erste ist die Art zu reden: wie schnell, wie direkt, wie gern. Zwei Menschen können sich sehr mögen und trotzdem in jedem Konflikt aneinander vorbeireden, weil der eine sofort ausspricht und die andere erst eine Nacht darüber schlafen muss. In der Deutung hängt das an Merkur.

Die zweite ist das, was Verbindlichkeit für Euch beide bedeutet. Für manche Menschen ist eine Zusage ein Versprechen, für andere eine Absichtserklärung, die man bei Bedarf anpasst. Beides ist gutgläubig gemeint, und beides zusammen ergibt Streit. Astrologisch gehört diese Frage zu Saturn; im Leben gehört sie in ein Gespräch, das die meisten Paare nie führen.

Wie Du so einen Text zu zweit liest

Drei Regeln haben sich bewährt. Erstens: Der Text, den Du liest, ist Deiner. Ein Geburtsbild ist kein Auskunftsmittel über jemand anderen, und wer wissen will, wie es dem Menschen neben ihm gerade geht, hat dafür ein einfacheres Verfahren zur Hand.

Zweitens: Kein Satz daraus taugt als Beweismittel. Ein „Steht doch hier“ beendet keine Auseinandersetzung, es verlagert sie nur auf ein Blatt Papier, das nicht widersprechen kann.

Drittens: Was nicht zutrifft, streichst Du. Ein Deutungstext ist ein Angebot, die Auswahl triffst Du. Was übrig bleibt und Euch beiden bekannt vorkommt, ist der Teil, über den sich reden lässt. Welche Auswertungen es sonst noch gibt, siehst Du unter Horoskope.

Am Ende steht eine banale Frage, die selten gestellt wird: Was brauchst Du, damit ein gewöhnlicher Dienstagabend gut ist? Wer das von sich selbst beantworten kann, kommt auch ohne Horoskop zurecht. Wer es nicht kann, findet hier zumindest ein paar Vokabeln, um damit anzufangen.