Horoskopanalysen

König Löwe: das Sternzeichen hinter dem Titel

Kein anderes Zeichen trägt einen Titel. Der Stier ist ein Stier, die Waage ist eine Waage — aber der Löwe ist gleich König. Wer die Sonne im Löwen hat, hört das Wort früh, mal als Kompliment, mal als Vorhaltung. Hier steht, woher der Titel kommt, was davon im Alltag übrig bleibt und an welcher Stelle das Klischee danebengreift.

Woher der Königstitel kommt

Drei Quellen laufen hier zusammen. Die erste ist das Tier selbst. Der Löwe ist das Wappentier schlechthin: in Stadtwappen, auf Fahnen, über Toren. Wer jahrhundertelang Macht darstellen wollte, griff zu dieser Figur.

Die zweite ist der Herrscher des Zeichens. Dem Löwen ist die Sonne zugeordnet, und sie hat in der klassischen Ordnung eine Sonderstellung: Sie regiert genau ein Zeichen, den Löwen, so wie der Mond genau den Krebs regiert. Alle übrigen klassischen Planeten bekommen zwei. Von diesem Paar aus ist die ganze Reihe der Herrschaften aufgebaut; der Löwe steht also an einem ihrer beiden Ausgangspunkte. Daher der Anklang ans Regieren.

Die dritte steckt im Himmel: Der hellste Stern im Sternbild Löwe heißt Regulus, kleiner König, und ist auch als Cor Leonis überliefert, als Herz des Löwen. Er liegt näher an der Sonnenbahn als jeder andere helle Stern.

Feuer, fix, Hochsommer

Der Löwe umfasst etwa den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 22. August. Das ist nicht der Anfang des Sommers, sondern seine Mitte: Alles ist schon gewachsen, es muss nur noch gehalten und ausgereift werden. Dazu passt die astrologische Einordnung — der Löwe ist ein Feuerzeichen, also auf Antrieb gestellt, und zugleich ein fixes Zeichen, also aufs Halten.

Am Vergleich mit dem kardinalen Feuerzeichen wird das greifbar. Der Funke ist der Widder: Er legt los und zieht weiter. Der Löwe ist die Flamme, die brennt, solange es nötig ist. Er fängt nicht dauernd Neues an, er bringt zu Ende, was er sich vorgenommen hat — und zwar sichtbar.

Was der Löwe wirklich braucht

Das Klischee sagt: Aufmerksamkeit. Das ist zu grob. Genauer trifft es, dass er für etwas gesehen werden will, das er gemacht hat. Lob ohne Anlass rutscht bei ihm durch; eine ehrliche Rückmeldung zu seiner Arbeit bleibt hängen, auch wenn sie unbequem ausfällt.

Im Alltag sieht das ziemlich unspektakulär aus. Das ist der Koch, der nicht auf Komplimente wartet, sondern darauf, dass die Leute wiederkommen. Das ist die Kollegin, die die Präsentation ungern hält, es aber nicht erträgt, wenn ihr Projekt ohne Namen durchgereicht wird. Dazu kommt eine Großzügigkeit, die ernst gemeint ist: Er zahlt die Runde, leiht sein Werkzeug her, legt für andere ein gutes Wort ein — und denkt nicht daran, das aufzurechnen.

Wo es eng wird

Übergangen zu werden trifft ihn härter als Widerspruch. Ein Löwe hält eine harte Diskussion gut aus; schlecht hält er aus, in der Runde überhaupt nicht vorzukommen. Daraus entsteht die bekannte Empfindlichkeit, die von außen leicht wie Eitelkeit aussieht und meistens etwas anderes ist.

Die zweite Stelle ist die fixe Qualität. Was er einmal öffentlich vertreten hat, gibt er ungern auf, weil Zurückrudern sich nach Gesichtsverlust anfühlt. Dann hält er eine Position länger, als sie ihm nützt. Und drittens kostet der Auftritt Kraft. Ein Löwe, der nie aufhören darf, die gute Stimmung im Raum zu machen, wird still und müde — und niemand bemerkt es, weil man es ausgerechnet ihm nicht zutraut.

Der Löwe und die anderen

Gegenüber im Kreis steht der Wassermann, und das ist eine nützliche Spannung: hier die einzelne Person, die mit ihrem Namen für etwas einsteht, dort die Gruppe und das Prinzip. Löwen lernen an Wassermännern, dass eine Sache auch ohne Absender funktionieren darf; Wassermänner lernen an Löwen, dass am Ende jemand den Kopf hinhalten muss.

Mehr als das Sonnenzeichen

Solche Sätze beschreiben Neigungen, keine Urteile — die Sonne im Löwen ist ein Baustein von mehreren. Wie jemand im ersten Moment wirkt, hängt am Aszendenten; was er zum Auftanken braucht, am Mond; und die übrigen Planeten sitzen jeweils dort, wo sie im Leben etwas zu tun haben. Ein Löwe mit zurückhaltendem Aszendenten fällt im Raum kaum auf und ist trotzdem einer. Alle zwölf Zeichen nebeneinander stehen unter Sternzeichen.