Horoskopanalysen

Okkultismus

Okkultismus ist ein Sammelbegriff, und wie die meisten Sammelbegriffe verdeckt er mehr, als er ordnet. Er lohnt trotzdem eine genauere Betrachtung, weil Astrologie regelmäßig darunter einsortiert wird — historisch zu Unrecht.

Was das Wort ursprünglich meinte

Occultus heißt schlicht „verborgen“. In der Naturphilosophie der Frühen Neuzeit bezeichneten die qualitates occultae Wirkungen, die man beobachten, aber nicht aus den vier Elementen ableiten konnte — der Magnet zieht Eisen an, ohne dass sich sagen ließe warum.

Das war ein Begriff der Wissenschaft, kein Gegenbegriff zu ihr. Verborgen hieß: noch nicht erklärt.

Wie daraus ein Sammelname wurde

Im 19. Jahrhundert änderte sich das. Der Begriff wurde zum Namen einer Bewegung, die sehr verschiedene Dinge zusammenfasste: Magie, Spiritismus, Theosophie, Tarot, Kabbala in westlicher Aneignung — und Astrologie.

Diese Zusammenfassung ist eine Entscheidung des 19. Jahrhunderts, keine historische Tatsache. Vor 1800 wurde Astrologie an Universitäten gelehrt, in der Medizin angewandt und von Höfen bezahlt. Sie war ein Rechenfach, kein Geheimwissen.

Die Abgrenzung, auf die es ankommt

Der Unterschied ist nicht weltanschaulich, sondern methodisch:

Nur das Erste hat eine öffentliche, nachrechenbare Grundlage. Das entscheidet nicht darüber, ob Deutung trägt — aber es ist der Grund, warum Astrologie sich sinnvoll diskutieren lässt und vieles andere nicht.

Ein praktischer Hinweis

Wo Astrologie mit magischen Angeboten verkauft wird — Rituale, Amulette, das Abwenden von Unglück gegen Bezahlung —, ist Vorsicht angebracht. Nicht aus weltanschaulichen Gründen, sondern weil dieses Angebot regelmäßig dort auftaucht, wo jemand in Sorge ist und zahlen soll.

Verwandt: Zahlenmystik, Astrologie.