Uranus: der Planet der Unterbrechung
Uranus ist der erste Planet, der nicht schon immer bekannt war. Die sieben klassischen Himmelskörper sieht jeder ohne Hilfsmittel; Uranus liegt mit einer Helligkeit um die sechste Größenklasse am Rand dessen, was ein sehr dunkler Himmel hergibt. Man kann ihn sehen, aber nur, wenn man weiß, wo man suchen muss — und selbst dann bleibt er ein schwacher Stern unter vielen. Genau so ist er lange auch notiert worden: John Flamsteed trug ihn 1690 als Stern in seinen Katalog ein.
Entdeckt 1781, und zunächst für einen Kometen gehalten
Am 13. März 1781 richtete Wilhelm Herschel von seinem Garten in Bath ein selbstgebautes Spiegelteleskop auf einen unscheinbaren Lichtpunkt — und sah kein Sternpünktchen, sondern ein winziges Scheibchen, das von Nacht zu Nacht weiterrückte. Er meldete einen Kometen. Erst die Bahnrechnung anderer Astronomen zeigte, dass sich das Objekt auf einer fast kreisrunden Bahn weit jenseits des Saturn bewegt — also ein Planet. Herschel benannte ihn nach seinem König Georg III.; der heute übliche Name, ein Vorschlag von Johann Elert Bode, setzte sich erst im Lauf des 19. Jahrhunderts überall durch.
Ein liegender Kreisel
- Ein Umlauf um die Sonne dauert rund 84 Jahre. Auf zwölf Zeichen verteilt bleibt Uranus damit etwa sieben Jahre in jedem.
- Seine Rotationsachse ist um etwa 98 Grad gekippt. Er rollt gewissermaßen auf seiner Bahn, statt aufrecht zu kreiseln — jeder Pol liegt über vierzig Jahre in der Sonne und danach ebenso lange im Dunkeln.
- Im Fernrohr erscheint er blaugrün. Das Methan seiner Atmosphäre schluckt den roten Anteil des Lichts.
- Begleitet wird er von fünf großen Monden — Miranda, Ariel, Umbriel, Titania und Oberon —, einem Schwarm kleinerer und einem schmalen Ringsystem, das erst 1977 entdeckt wurde. Die beiden größten Monde fand Herschel selbst; die Namen stammen von Shakespeare und Alexander Pope.
- Besuch bekam er ein einziges Mal: Voyager 2 flog im Januar 1986 vorbei.
Wofür er in der Deutung steht
Die moderne Astrologie ordnet Uranus dem Wassermann zu und liest ihn als das Prinzip der Unterbrechung: das Unerwartete, die plötzliche Einsicht, der Drang, sich von etwas loszumachen. Wo Saturn hält und begrenzt, setzt Uranus ab. Romantisch ist das nicht gemeint — eine Unterbrechung kann befreien und sie kann ruinieren, und im Horoskop steht nicht, welches von beidem. Dass die Entdeckung in die Jahre zwischen der amerikanischen Unabhängigkeit und der Französischen Revolution fiel, hat diesem Vokabular später sein Pathos gegeben.
Dass die Zuordnung jung ist, gehört zur Sache: Die klassische Astrologie kommt mit sieben Planeten aus und hat für einen achten weder Herrschaft noch Aufgabe vorgesehen. Wer mit Uranus arbeitet, arbeitet mit einer Ergänzung, nicht mit einer Überlieferung — nachzulesen bei den Planeten.
Warum sein Zeichen weniger zählt als Dein Alter
Sieben Jahre in einem Zeichen heißt: „Uranus im Skorpion“ bezeichnet keine Person, sondern einen Altersbereich — Leute, die zusammen eingeschult wurden. Für eine Aussage, die Dich meint, ist die Geburtsstellung dieses Planeten deshalb der schwächste Teil des Bildes.
Ergiebiger ist bei Uranus die andere Richtung: nicht, wo er zu Deiner Geburt stand, sondern welchen Winkel er heute zu diesem Punkt bildet. Weil sein Umlauf so gleichmäßig ausfällt, trifft das jeden Menschen bei ungefähr demselben Lebensalter.
- Um die Einundzwanzig steht er, ein Viertel des Weges weiter, im rechten Winkel zu seiner Geburtsstellung — die Zeit, in der viele zum ersten Mal etwas gegen die Erwartung der Herkunft durchsetzen.
- Um die Zweiundvierzig ist der halbe Umlauf voll, und er steht seinem Ausgangspunkt gegenüber. Das ist die Passage, die hierzulande gern Midlife-Crisis heißt.
- Um die Dreiundsechzig noch einmal ein rechter Winkel — und mit rund vierundachtzig ist er einmal herum.
Wie deutlich eine solche Passage ausfällt, hängt daran, was sie im Geburtsbild berührt: ob Uranus dort nahe bei Sonne, Mond oder einer der Achsen steht, die an der Geburtszeit und damit am Aszendenten hängen. Und die Jahreszahlen sind ein Kalender, keine Prognose. Sie sagen, wann das Thema anklopft, nicht was daraus wird.