Horoskopanalysen

Uranus: der Planet der Unterbrechung

Uranus ist der erste Planet, der nicht schon immer bekannt war. Die sieben klassischen Himmelskörper sieht jeder ohne Hilfsmittel; Uranus liegt mit einer Helligkeit um die sechste Größenklasse am Rand dessen, was ein sehr dunkler Himmel hergibt. Man kann ihn sehen, aber nur, wenn man weiß, wo man suchen muss — und selbst dann bleibt er ein schwacher Stern unter vielen. Genau so ist er lange auch notiert worden: John Flamsteed trug ihn 1690 als Stern in seinen Katalog ein.

Entdeckt 1781, und zunächst für einen Kometen gehalten

Am 13. März 1781 richtete Wilhelm Herschel von seinem Garten in Bath ein selbstgebautes Spiegelteleskop auf einen unscheinbaren Lichtpunkt — und sah kein Sternpünktchen, sondern ein winziges Scheibchen, das von Nacht zu Nacht weiterrückte. Er meldete einen Kometen. Erst die Bahnrechnung anderer Astronomen zeigte, dass sich das Objekt auf einer fast kreisrunden Bahn weit jenseits des Saturn bewegt — also ein Planet. Herschel benannte ihn nach seinem König Georg III.; der heute übliche Name, ein Vorschlag von Johann Elert Bode, setzte sich erst im Lauf des 19. Jahrhunderts überall durch.

Ein liegender Kreisel

Wofür er in der Deutung steht

Die moderne Astrologie ordnet Uranus dem Wassermann zu und liest ihn als das Prinzip der Unterbrechung: das Unerwartete, die plötzliche Einsicht, der Drang, sich von etwas loszumachen. Wo Saturn hält und begrenzt, setzt Uranus ab. Romantisch ist das nicht gemeint — eine Unterbrechung kann befreien und sie kann ruinieren, und im Horoskop steht nicht, welches von beidem. Dass die Entdeckung in die Jahre zwischen der amerikanischen Unabhängigkeit und der Französischen Revolution fiel, hat diesem Vokabular später sein Pathos gegeben.

Dass die Zuordnung jung ist, gehört zur Sache: Die klassische Astrologie kommt mit sieben Planeten aus und hat für einen achten weder Herrschaft noch Aufgabe vorgesehen. Wer mit Uranus arbeitet, arbeitet mit einer Ergänzung, nicht mit einer Überlieferung — nachzulesen bei den Planeten.

Warum sein Zeichen weniger zählt als Dein Alter

Sieben Jahre in einem Zeichen heißt: „Uranus im Skorpion“ bezeichnet keine Person, sondern einen Altersbereich — Leute, die zusammen eingeschult wurden. Für eine Aussage, die Dich meint, ist die Geburtsstellung dieses Planeten deshalb der schwächste Teil des Bildes.

Ergiebiger ist bei Uranus die andere Richtung: nicht, wo er zu Deiner Geburt stand, sondern welchen Winkel er heute zu diesem Punkt bildet. Weil sein Umlauf so gleichmäßig ausfällt, trifft das jeden Menschen bei ungefähr demselben Lebensalter.

Wie deutlich eine solche Passage ausfällt, hängt daran, was sie im Geburtsbild berührt: ob Uranus dort nahe bei Sonne, Mond oder einer der Achsen steht, die an der Geburtszeit und damit am Aszendenten hängen. Und die Jahreszahlen sind ein Kalender, keine Prognose. Sie sagen, wann das Thema anklopft, nicht was daraus wird.