Das Sonnenzeichen
„Welches Sternzeichen bist du?“ meint die Stellung der Sonne. Es lohnt zu wissen, warum ausgerechnet dieser Faktor die Karriere gemacht hat — der Grund hat nichts mit seiner Aussagekraft zu tun.
Warum gerade die Sonne
Weil man für sie keine Geburtszeit braucht. Die Sonne bleibt einen Monat in einem Zeichen; das Datum genügt.
Für den Aszendenten braucht man die Uhrzeit auf Minuten genau, für den Mond auf Stunden. Damit lässt sich keine Zeitungsrubrik machen. Die Sonnenzeichen-Astrologie entstand denn auch genau dort: in den Tageszeitungen der 1930er Jahre.
Was die Sonne bezeichnet
In der klassischen Deutung: das Lebendige, die Mitte, die Richtung, in die ein Leben läuft. Nicht den Charakter — das ist eine spätere Verschiebung.
Und entscheidend ist nicht das Zeichen allein, sondern ihr Zustand darin: Ist sie in Würde? An einer Achse? Sieht ihr Dispositor sie an? Eine Sonne im Löwen am Medium Coeli beschreibt etwas ganz anderes als eine Sonne im Löwen im zwölften Haus.
Was das Sonnenzeichen allein nicht kann
Ein Horoskop besteht aus sieben Planeten, dem Aszendenten und zwölf Häusern. Das Sonnenzeichen ist eine Angabe davon.
Zwei Menschen mit Sonne im Skorpion, von denen der eine Waage-Aszendent und Venus in Würde hat und der andere Steinbock-Aszendent und Saturn an der Achse, haben fast nichts gemeinsam — und alle Skorpion-Beschreibungen treffen bestenfalls einen von beiden.
Und die Grenzfälle
Die Sonne wechselt das Zeichen an einem bestimmten Zeitpunkt, nicht an einem Datum, und der verschiebt sich von Jahr zu Jahr um bis zu einem Tag.
Wer am Übergang geboren ist, kann sein Sonnenzeichen ohne Geburtszeit gar nicht bestimmen. Die verbreitete Rede von einer „Schwelle“, an der man beide Zeichen ein bisschen sei, ist dagegen ein Missverständnis: die Sonne steht in einem Zeichen oder im anderen, und welches es ist, ergibt die Rechnung.
Verwandt: die Sonne, der Aszendent, die Sternzeichen.