Horoskopanalysen

Sternzeichen Wassermann: das Zeichen und das Zeitalter

Nach dem Wassermann ist ein Zeitalter benannt, und dieses Zeitalter ist bekannter als das Zeichen selbst. Wer vom 20. Januar bis zum 18. Februar Geburtstag hat, bekommt es früher oder später zu hören, meistens als Kompliment. Die beiden Dinge haben allerdings viel weniger miteinander zu tun, als der gemeinsame Name vermuten lässt.

Warum niemand sagen kann, wann es anfängt

Der Name des Zeitalters stammt von einer sehr langsamen Verschiebung am Himmel. Der Frühlingspunkt, von dem aus die westliche Astrologie ihren Kreis zählt, wandert rückwärts durch die Sternbilder; der Vorgang heißt Präzession. Zurzeit liegt der Punkt im Sternbild Fische und nähert sich dem Wassermann. Kommt er dort an, beginnt nach dieser Rechnung das Wassermannzeitalter, und ein solcher Abschnitt umfasst gut zweitausend Jahre.

Nur beginnt er eben nicht an einem berechenbaren Tag. Wo ein Sternbild aufhört und das nächste anfängt, ist keine Naturgegebenheit, sondern eine Verabredung unter Menschen; verbindlich festgelegt hat sie 1930 die Internationale Astronomische Union, und ältere Karten zogen die Linien anders. Je nachdem, welche davon jemand ansetzt, kommen Jahreszahlen heraus, die mehrere Jahrhunderte auseinanderliegen — und zu sehen wäre an einem solchen Tag ohnehin nichts. Es gibt also keinen Termin, über den man streiten könnte, sondern nur die Uneinigkeit darüber, wo jemand einen Strich zieht. Zum geflügelten Wort wurde die Sache am Ende der sechziger Jahre, befördert durch das Musical „Hair“ von 1967.

Mit Deinem Geburtstag hat das nichts zu tun

Angenommen, man einigte sich trotzdem auf eine Jahreszahl: Gewonnen wäre damit wenig. Ein Weltzeitalter beträfe alle Menschen gleichzeitig, die heute Geborenen wie die vor sechzig Jahren Geborenen; es unterscheidet Dich also von niemandem. Dein Sonnenzeichen tut wenigstens das, wenn auch nur von rund elf Zwölfteln der Menschheit.

Dazu kommt, dass die beiden Angaben aus verschiedenen Rechnungen stammen: Das Zeitalter wird an den Sternbildern abgelesen, Dein Sonnenzeichen am Frühlingspunkt. Dass beide Wassermann heißen, ist eine Namensgleichheit und kein Zusammenhang. Was die zwölf Zeichen der Reihe nach beschreiben, steht unter Sternzeichen.

Gegenüber steht der Löwe

Ergiebiger als das Zeitalter ist ein Vergleich, der ganz in der Nähe liegt. Im Kreis steht dem Wassermann der Löwe gegenüber, und die beiden behandeln denselben Gegenstand von zwei Enden her. Den Löwen beschäftigt, was einen Menschen zu genau diesem einen macht; er braucht dafür jemanden, der ihn genau so sieht. Den Wassermann beschäftigt, was für alle gleichermaßen gilt; jede Antwort, die nur für einen stimmt, kommt ihm verdächtig vor.

Wenn Gerechtigkeit der Maßstab ist

Im Alltag zeigt sich das an Kleinigkeiten. Bei der Verteilung von etwas Knappem — Karten, Urlaubstage, der eine freie Abend in der Woche — teilt ein Wassermann so auf, dass es sich vor allen Beteiligten begründen lässt. Das ist eine Stärke, und in Gruppen merkt man sie sofort. Die Person daneben, die gehofft hatte, für sie werde eine Ausnahme gemacht, hört eine saubere Begründung und fühlt sich trotzdem übergangen.

Beide haben recht und reden von verschiedenen Dingen: die eine von Gerechtigkeit, die andere davon, jemandes Ausnahme zu sein. Der Unterschied liegt dabei nicht bei der Zuneigung, sondern beim Maßstab. Ein Wassermann, der bevorzugt, hat das Gefühl, unfair zu werden; jemand, der nie bevorzugt wird, hat das Gefühl, austauschbar zu sein. Wer die beiden Sätze auseinanderhalten kann, streitet an dieser Stelle deutlich kürzer.

Was ein Zeitalter nicht leisten kann

Am Ende stehen zwei Auskünfte von sehr verschiedener Reichweite nebeneinander, und die größere ist die leerere. Ein Zeitalter umfasst rund achtzig Generationen; was auch immer man ihm zuschreibt, an einem einzelnen Leben lässt es sich nicht prüfen. Ein Sonnenzeichen ist dagegen eine winzige Angabe, eine unter vielen in einem Geburtsbild — aber sie lässt sich an einem Alltag messen: an einer Verteilung, die Du vorgenommen hast, an einem Streit, in dem Du auf dem Prinzip bestanden hast.

Der Weg vom großen Namen zurück zum kleinen Befund lohnt sich deshalb. Was das aufgehende Zeichen an diesem Bild noch verschiebt, steht unter Aszendent.