Das atlantische Horoskop und die Blumenhoroskope
Neben dem westlichen und dem chinesischen System kursieren zahlreiche weitere Zuordnungssysteme: Blumenhoroskope, Baumhoroskope, keltische, ägyptische, atlantische. Sie haben eines gemeinsam, und man sollte es wissen.
Der gemeinsame Aufbau
Fast alle sind nach demselben Muster gebaut:
- zwölf Geburtszeiträume — gelegentlich mehr, bei den Baumhoroskopen bis zu zweiundvierzig;
- deren Grenzen auf oder nahe den westlichen Tierkreiszeichen liegen;
- jedem Zeitraum ist ein Naturbild zugeordnet — eine Blume, ein Baum, ein Tier, ein Stein;
- die Deutung folgt den Eigenschaften dieses Bildes.
Die Struktur ist also westlich, und nur die Bildebene ist ausgetauscht. Ein System, das aus einer eigenständigen Überlieferung stammte, hätte keinen Grund, die Grenzen des griechischen Tierkreises zu übernehmen.
Die Herkunft
Blumenhoroskope sind eine Erfindung der Ratgeberliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts. Eine Überlieferung, die Menschen nach Geburtsdatum Blumen zuordnet, gibt es nicht.
Keltische Baumhoroskope berufen sich auf einen angeblichen Baumkalender der Druiden. Dieser Kalender ist eine Konstruktion des zwanzigsten Jahrhunderts, aufgebaut auf einer freien Deutung des mittelalterlichen Ogham-Alphabets. Die Kelten selbst haben nichts Derartiges hinterlassen — sie haben überhaupt sehr wenig Schriftliches hinterlassen.
Atlantische Horoskope berufen sich auf eine Zivilisation, deren einzige Quelle zwei Dialoge Platons sind, in denen sie als Beispiel in einer politischen Erörterung auftritt. Es gibt nichts, worauf sich eine Überlieferung stützen könnte.
Warum das gesagt werden muss
Nicht um jemandem die Freude zu nehmen. Ein Zuordnungssystem kann als Bildsprache gut funktionieren — es ordnet, es ist einprägsam, es regt an.
Der Unterschied liegt woanders: Die westliche und die chinesische Astrologie berufen sich auf eine belegbare, mehrere Jahrtausende alte Praxis mit erhaltenen Texten. Diese Systeme berufen sich auf eine Überlieferung, die es nicht gibt. Wer sie benutzt, sollte wissen, welche der beiden Sorten er vor sich hat.
Ein praktischer Prüfstein
Fragen Sie nach der ältesten Quelle. Für die westliche Astrologie führt der Weg zu Ptolemäus, Valens und Dorotheus — erhaltene Texte, in kritischen Ausgaben zugänglich. Für die chinesische zu den Kalenderwerken der Han-Zeit. Für ein Blumen- oder Atlantishoroskop endet die Kette regelmäßig bei einem Buch der 1970er oder 1980er Jahre.
Verwandt: das Natur-Horoskop — derselbe Fall — und die westlichen Sternzeichen.