Das Natur-Horoskop
Das „indianische Horoskop“ oder Natur-Horoskop ordnet jedem Geburtszeitraum ein Tier zu — Falke, Biber, Hirsch, Specht, Lachs, Bär, Rabe, Schlange, Eule, Gans, Otter, Wolf. Es ist verbreitet und eingängig. Über seine Herkunft sollte man Bescheid wissen.
Woher es stammt
Nicht aus den Überlieferungen der indigenen Völker Nordamerikas. Das System in seiner heutigen Form wurde im zwanzigsten Jahrhundert im esoterischen Milieu Nordamerikas und Europas zusammengestellt.
Sein Aufbau zeigt das deutlich: zwölf Abschnitte, deren Grenzen genau auf den westlichen Tierkreiszeichen liegen, verbunden mit den vier Elementen und den vier Himmelsrichtungen. Ein System, das aus indigener Himmelskunde stammte, hätte keinen Grund, sich an den Grenzen des griechischen Tierkreises auszurichten.
Warum das zählt
Zwei Gründe.
Der erste ist Redlichkeit gegenüber bestehenden Überlieferungen. Die Himmelskunden der nordamerikanischen Nationen sind vielfältig, an einzelne Völker gebunden und gut erforscht. Sie unter einem erfundenen Sammelnamen zusammenzufassen, macht sie unsichtbar.
Der zweite ist praktisch: Es erklärt, warum die Zeiträume so aufgehen, wie sie aufgehen. Wer sich wundert, dass sie den westlichen Zeichen entsprechen, hat die Antwort — sie stammen von dort.
Wie es aufgebaut ist
Zwölf Geburtszeiträume, jeder mit einem Tier, einer Himmelsrichtung, einem Element und einer Jahreszeit. Die Deutungen folgen dem Wesen des Tiers und der Bedeutung der Jahreszeit — ein in sich stimmiges Bildsystem, das sich gut merken lässt.
Als Bildsystem taugt es. Als Überlieferung ist es keine, und es schadet ihm nicht, das zu sagen.
Wenn Sie sich für indigene Himmelskunde interessieren
Dann führt der Weg zu den Quellen: zu den Überlieferungen einzelner Nationen, in ihren eigenen Worten, mit ihren eigenen Sternbildern und Kalendern. Das ist erheblich interessanter als jede Zusammenstellung.
Verwandt: chinesische Astrologie — ein tatsächlich eigenständiges System mit belegter Überlieferung — und die westlichen Sternzeichen.