Horoskopanalysen

Sommersonnenwende: der längste Tag und der Nullpunkt des Krebses

Um den 20. oder 21. Juni herum geschieht etwas, das Du ohne jedes Gerät bemerken kannst: Die Sonne hört auf zu steigen. Wochenlang stand sie mittags jeden Tag ein Stück höher, dann bleibt sie ein paar Tage, wo sie ist, und sinkt danach wieder. Das ist die Sommersonnenwende, der längste Tag des Jahres auf der Nordhalbkugel — und der Punkt, an dem die Astrologie ihren Tierkreis festmacht.

Was an diesem Tag am Himmel passiert

Die Erdachse steht nicht senkrecht auf der Ebene der Erdbahn, sondern ist um gut dreiundzwanzig Grad dagegen geneigt. Diese Neigung, und nur sie, erzeugt die Jahreszeiten. Zur Sommersonnenwende ist die Nordhalbkugel der Sonne am stärksten zugeneigt: Mittags erreicht die Sonne ihren höchsten Stand des Jahres, senkrecht über dem nördlichen Wendekreis.

In Süddeutschland dauert der Tag dann gut sechzehn Stunden, an der Ostseeküste über siebzehn. Nördlich des Polarkreises bleibt die Sonne rund um die Uhr über dem Horizont — daher die Mitternachtssonne, nur eben dort und nicht bei uns. Der lateinische Name solstitium heißt wörtlich Sonnenstillstand, und das trifft die Beobachtung: Der Punkt am Horizont, an dem die Sonne aufgeht, wandert ein halbes Jahr lang nach Norden, kommt zum Stehen und kehrt um.

Die Hitze kommt später

Juli und August sind in Mitteleuropa wärmer als der Juni, obwohl die Tage da längst wieder kürzer werden. Der Grund ist die Trägheit der Masse: Boden, Luft und vor allem das Meer nehmen noch wochenlang mehr Wärme auf, als sie abgeben. Erst wenn sich beides ausgleicht, dreht die Temperatur. An der Küste dauert das länger: Wasser erwärmt sich langsamer und gibt die Wärme ebenso langsam wieder ab.

Der Nullpunkt des Krebses

Der Tierkreis der westlichen Astrologie ist nicht an den Sternbildern festgemacht, sondern am Lauf der Sonne durch das Jahr. Vier Punkte legen ihn fest, und die Sommersonnenwende ist einer davon:

Der Krebs beginnt also nicht zufällig an diesem Tag, er ist durch ihn definiert: ein Abschnitt des Sonnenjahres, der mit dem Höchststand anfängt. Mit dem gleichnamigen Sternbild hat das nichts zu tun; davor steht die Sonne im Juni ohnehin längst nicht mehr.

Daraus folgt etwas Praktisches: Der Zeitpunkt wandert jährlich um einige Stunden, weil das Jahr keine glatten 365 Tage hat. Wer am 21. Juni geboren ist, kann je nach Jahrgang und Uhrzeit noch Zwilling oder schon Krebs sein. Am Rand eines Zeichens hilft keine Tabelle aus der Zeitschrift, sondern nur die Berechnung — einen ersten Eindruck bekommst Du über die kostenlosen Horoskope.

Warum diese Punkte kardinal heißen

Die vier Zeichen, die hier anfangen, nennt die Astrologie die kardinalen. Das Wort kommt vom lateinischen cardo, der Türangel: die Stelle, an der sich ein Flügel dreht. Passend ist der Name auch aus nüchternem Grund — diese vier Termine sind die einzigen im Sonnenjahr, die nicht verabredet, sondern astronomisch vorgegeben sind. Jedes andere Datum im Kalender hat jemand festgelegt. Der Krebs ist das Wasserzeichen der Gruppe; was das bedeutet, steht bei den vier Elementen.

Feuer, Johannistag und Midsommar

Dass rund um die Sonnenwende Feuer entzündet werden, ist aus vielen europäischen Gegenden überliefert. Der Kirchenkalender setzte den Geburtstag Johannes des Täufers auf den 24. Juni, ein halbes Jahr vor Weihnachten; daher heißen diese Feuer bei uns meist Johannisfeuer. In Schweden fällt Midsommar in dieselben Tage. Eine geheime Überlieferung muss man daraus nicht machen: Wo das Licht knapp ist, war der hellste Punkt des Jahres immer einen Abend wert.

Was Du mit dem Tag anfangen kannst

Schreib Dir auf, wann an diesem Tag bei Dir die Sonne untergeht, und mach um den 21. Dezember dieselbe Probe. Kein Text über Jahreszeiten bringt so viel wie diese beiden Zahlen nebeneinander. Und weil die Sonnenwende das Jahr halbiert, taugt sie als Wendemarke: Was hat sich seit dem Frühling getan, was ist liegen geblieben? Die Zeichen, durch die die Sonne im Jahreslauf wandert, findest Du unter Sternzeichen.