Horoskopanalysen

Die Ratte in der chinesischen Astrologie

Zwölf Tiere, zwölf Jahre, und am Anfang der Reihe steht ausgerechnet die Ratte. Für westliche Ohren klingt das erst einmal nach einer Beleidigung. In China, Vietnam und Korea ist es das Gegenteil: Das Zeichen gilt als klug, wendig und ausgesprochen erfolgreich. Wer den chinesischen Tierkreis verstehen will, fängt am besten hier an – und legt die Bilder beiseite, die das Wort bei uns sofort auslöst.

Ein Name, der im Westen aneckt

Bei uns ist das Tier mit Vorratsschäden, Seuchen und dunklen Kellern verbunden. Diese Bilder sind kulturell, nicht astrologisch. Die ostasiatische Überlieferung achtet auf andere Eigenschaften desselben Tieres: Es kommt überall hinein, findet immer etwas zu essen, merkt sich Wege und übersteht Umstände, an denen größere Tiere scheitern. Aus dieser Beobachtung ist ein Zeichen für Findigkeit und Wohlstand geworden. Übersetze im Kopf ruhig mit »die Schlaue«, dann triffst Du den gemeinten Ton besser.

Warum sie die Reihe eröffnet

Die bekannteste Erzählung dazu handelt von einem Wettlauf: Alle Tiere sollten einen Fluss überqueren, und die Reihenfolge der Ankunft bestimmte die Ordnung der Jahre. Die Ratte konnte nicht gut schwimmen, setzte sich unterwegs auf den Rücken des kräftigen Ochsen und sprang kurz vor dem Ufer ab. So kam das kleinste Tier als Erstes an. Die Geschichte ist keine Deutungsregel, aber sie zeigt hübsch, worum es bei diesem Zeichen geht: nicht um Kraft, sondern um den geschickteren Weg.

Bist Du in einem Ratten-Jahr geboren?

Dazu zählen 1924, 1936, 1948, 1960, 1972, 1984, 1996, 2008 und 2020. Ein Vorbehalt ist wichtig: Das chinesische Jahr beginnt nicht am 1. Januar, sondern je nach Mondkalender zwischen Ende Januar und Mitte Februar. Wer im Januar oder in den ersten Februartagen Geburtstag hat, gehört unter Umständen noch zum Zeichen davor. In diesem Fall lohnt ein Blick auf das genaue Neujahrsdatum des Geburtsjahres, bevor Du Dich irgendwo einsortierst.

Das Charakterbild der Überlieferung

Zugeschrieben werden dem Zeichen der Tradition nach:

Die Kehrseite benennt die Überlieferung ebenso deutlich: einen wachen Eigennutz, eine gewisse Ungeduld mit langsameren Menschen und die Neigung, Bekanntschaften eher nach Nutzen als nach Dauer zu pflegen.

Die fünf Elemente machen den Unterschied

Ein Tierzeichen allein sagt in der chinesischen Astrologie wenig. Zu jedem Jahr gehört zusätzlich eines der fünf Elemente. Für ein und dasselbe Tier wechselt es alle zwölf Jahre, und erst nach sechzig Jahren ist die Runde wieder bei ihrem Ausgangspunkt: 1972 war ein Wasser-Jahr, 1984 ein Holz-Jahr, 1996 stand im Zeichen des Feuers, 2008 in dem der Erde, 2020 in dem des Metalls. Eine Metall-Ratte wird als härter und zielstrebiger beschrieben, eine Wasser-Ratte als anpassungsfähiger, eine Holz-Ratte als geselliger. Erst aus Tier und Element zusammen entsteht ein Bild, das mehr ist als eine Schublade für ein Zwölftel der Menschheit.

Mit wem es leicht wird und mit wem nicht

Als beste Gefährten gelten Drache und Affe. Alle drei gehören zur selben Dreiergruppe, sie sind schnell, unternehmungslustig und verstehen einander ohne lange Erklärungen. Als schwierig gilt das Gegenüber im Kreis, das Pferd: Es steht genau auf der anderen Seite, liebt die Weite und den eigenen Kopf, während die Ratte Vorrat und Überblick schätzt. Solche Zuordnungen sind Faustregeln, keine Urteile. Sie sagen, wo Reibung wahrscheinlich ist, nicht wen Du zu lieben hast.

Wie ernst Du das nehmen solltest

Das chinesische System teilt nach Geburtsjahren ein, das westliche nach Geburtsmonaten. Beide beschreiben Temperamente, keine Schicksale, und keines von beiden kann Dir sagen, wer Du bist. Als Spiegel taugen sie trotzdem: Du liest eine Beschreibung, erkennst etwas wieder, widersprichst an anderer Stelle – und hast Dich dabei eine Viertelstunde lang aufmerksam mit Dir selbst befasst. Wenn Du danach wissen willst, wie das westliche Gegenstück Dich beschreibt, findest Du bei den Sternzeichen den passenden Vergleich.