Horoskopanalysen

Prognosen im Großen: die Mundanastrologie

· Astrologie

Wenn von astrologischen Vorhersagen die Rede ist, denken die meisten an das eigene Leben: Beruf, Liebe, das kommende Jahr. Daneben steht ein zweiter Zweig, der sich für die einzelne Person überhaupt nicht interessiert. Die Mundanastrologie — von lateinisch mundus, die Welt — stellt Horoskope für Länder, Städte, Verträge und Amtsantritte. Aus ihr stammen die Schlagzeilen, die alle paar Monate auftauchen. Es lohnt sich zu wissen, womit dieser Zweig tatsächlich arbeitet.

Der ältere Zweig, nicht der jüngere

Überraschend für viele: Das Kollektive war zuerst da. Die frühen mesopotamischen Beobachter schrieben ihre Vorzeichen für König und Land auf — für die Ernte, den Feldzug, den Thron. Das Horoskop für einen einzelnen Menschen ist die spätere Erfindung; die persönliche Deutung ist eine Abzweigung von etwas, das ursprünglich das Gemeinwesen im Blick hatte.

Die drei Bilder, mit denen sie rechnet

Die Zyklen der langsamen Planeten

Das eigentliche Handwerkszeug sind die Begegnungen der langsamen Planeten untereinander. Jupiter und Saturn stehen rund alle zwanzig Jahre auf demselben Längengrad, und der Ort dieser Begegnung wandert von Mal zu Mal weiter durch den Tierkreis. Saturn und Uranus brauchen dafür rund fünfundvierzig Jahre, Saturn und Pluto gut dreiunddreißig. Solche Konjunktionen gelten als Taktgeber: Zwischen zwei Treffen liegt eine Spanne, die sich als Kapitel lesen lässt, mit Anfang, Mitte und Abschluss.

Das ist der ehrliche Kern des Zweigs — ein Raster für Zeiträume, keine Terminliste. Wer wissen will, warum sich ein Jahrzehnt anders anfühlt als das vorige, hat damit wenigstens eine Frage in der Hand.

Die eigene Schwierigkeit: Wer ist überhaupt geboren?

Bei einem Menschen ist der Anfang unstrittig. Bei einem Land ist er es fast nie. Zählt die Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung, die erste Wahl, die Wiedervereinigung? Für viele Staaten sind mehrere Daten im Umlauf, und jedes ergibt ein anderes Horoskop. Wer hinterher eines davon auswählt, weil es am besten zum Geschehenen passt, hat sich das Ergebnis vorher besorgt.

Dazu kommt das Grundproblem jeder Aussage über ein Kollektiv: Sie betrifft Millionen Lebensläufe zugleich, und irgendeiner bestätigt sie immer.

Wo der Zweig regelmäßig kippt

Am Weltuntergang. Das bekannteste Beispiel der letzten Jahrzehnte war 2012: Im Dezember dieses Jahres lief in der langen Zählung des Maya-Kalenders ein großer Abschnitt ab, ungefähr so, wie ein Kilometerzähler umspringt. Aus diesem kalendarischen Vorgang wurde in Büchern, Filmen und Seminaren ein angekündigtes Ende gemacht. Der Kalender selbst kündigt nichts an — er zählt am Tag darauf weiter.

Das Muster wiederholt sich zuverlässig: eine seltene Konstellation, eine runde Jahreszahl — und darum herum ein Markt aus Büchern und Seminaren. Dass hinterher nichts geschieht, kostet die Urheber nichts; den Ruf des Zweigs kostet es jedes Mal etwas. Beschädigt wird er an dieser Stelle von innen, nicht von seinen Kritikern.

Was davon brauchbar bleibt

Eine Sprache für Zeiträume. Die Mundanastrologie kann beschreiben, welches Thema eine Spanne prägt, und sie kann es begründen, weil ihre Zyklen berechenbar sind. Was sie nicht kann, ist die Schlagzeile von übermorgen. Wer beides auseinanderhält, liest solche Texte mit Gewinn — und erkennt sofort, wenn jemand die Grenze überschreitet. Wie es im persönlichen Maßstab aussieht, steht unter Horoskope; die Grundlagen findest Du unter Astrologie.