Horoskopanalysen

Horoskope für alle Sternzeichen: zwölf Texte, ein Himmel

· Horoskop

Kostenlose Horoskope für alle Sternzeichen: Das Angebot steht auf unzähligen Seiten, und dahinter steckt fast immer dieselbe Machart. Wenn Du sie einmal kennst, liest Du solche Texte anders — nicht gläubiger und nicht spöttischer, sondern genauer.

Wie aus einem Himmel zwölf Texte werden

Am Anfang steht kein Blick auf Dich, sondern einer auf die Tabelle der Planetenstände. Für den Zeitraum — Tag, Woche, Monat — ist längst notiert, an welcher Stelle des Tierkreises die Himmelskörper stehen und welche Winkel sie miteinander bilden. Dieser Himmel ist für alle Leser derselbe. Zwölf Texte werden daraus, indem die Zählung zwölfmal neu angesetzt wird: Jedes Sternzeichen wird der Reihe nach behandelt, als sei es der Anfang des Horoskops, und dann wird nachgesehen, in welchen Abschnitt die aktuellen Stände von dort aus fallen.

Ein Beispiel macht es greifbar. Steht Mars im Stier, dann fällt er für den Stier in den ersten Abschnitt, also in den Bereich der eigenen Person: Der Text handelt dann von Antrieb, Auftreten, vielleicht von Gereiztheit. Vom Löwen aus gezählt ist der Stier dagegen der zehnte Abschnitt, und der steht für Beruf und Ansehen — derselbe Mars, und plötzlich geht es um Arbeit und Vorgesetzte. Ein einziger Planetenstand ergibt so zwölf verschiedene Sätze. Das ist kein Schwindel, sondern ein Verfahren. Es hat nur eine Bedingung, über die selten jemand spricht.

Die Bedingung stimmt meistens nicht

Wo Dein Horoskop tatsächlich beginnt, bestimmt nicht Dein Geburtstag, sondern der Aszendent — und der hängt an der Geburtszeit, die eine Zeitung oder ein Formular ohne Uhrzeitfeld nicht kennt. Im Sternzeichentext rückt deshalb das Sonnenzeichen an diese Stelle, weil das Geburtsdatum das Einzige ist, was über Dich bekannt ist. Steht Deine Sonne nicht zufällig in der Nähe des Aszendenten, verschiebt sich damit die ganze Zuordnung der Lebensbereiche, oft um mehrere Abschnitte. Die Aussage wandert dann in ein Gebiet Deines Lebens, um das es gar nicht geht.

Was dabei gar nicht gerechnet wird

Ein zweiter Punkt fällt noch seltener auf. Wenn in einem Sternzeichentext von einem Winkel die Rede ist — Venus im Trigon zu Jupiter, Mars im Quadrat zu Saturn —, dann ist der Winkel zwischen zwei Planeten am aktuellen Himmel gemeint. Mit Deinem Geburtsbild hat er nichts zu tun, denn davon liegt nichts vor, woran sich etwas messen ließe: Deine eigene Venus, Dein eigener Mars, Deine Häuserspitzen — alles unbekannt.

Darin liegt der Unterschied zu einer persönlichen Auswertung. Dort lautet die Frage, ob der heutige Stand einen Punkt Deines Geburtsbildes trifft; bei zwölf Texten für alle kann diese Frage gar nicht erst gestellt werden. Was Du liest, ist eine Beschreibung des heutigen Himmels, zwölfmal verschieden zugeschnitten — und kein Abgleich mit Deinem eigenen Bild.

Warum alle zwölf gleich lang sind

Der Himmel verteilt seine Ereignisse ungleich. In einer beliebigen Woche gibt es Zeichen, bei denen sich einiges tut, und Zeichen, bei denen schlicht nichts ansteht. Das Format kennt diesen Unterschied nicht: Zwölf Kästen wollen gefüllt sein, jeder in derselben Länge. Die Füllung erkennst Du daran, dass kein Vorgang am Himmel genannt wird, sondern nur eine Stimmung — und daran, dass derselbe Absatz ebenso gut im Februar stehen könnte.

Woher das Format stammt

Die Einteilung nach Sonnenzeichen ist viel jünger als die Astrologie. Populär wurde sie in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts durch britische Zeitungen, aus einem nüchternen Grund: Eine Spalte musste mit der einzigen Angabe auskommen, die eine Zeitung von ihren Lesern hat — dem Geburtsdatum. Die zwölf Kacheln auf einer Startseite folgen derselben Rechnung: größte Reichweite bei geringster Angabe.

Der Ausweg ist unspektakulär und kostet ebenfalls nichts. Mit Datum, Uhrzeit und Ort lässt sich das vollständige Bild berechnen; eine Übersicht dazu steht unter kostenlose Horoskope, den Aufbau erklärt die Seite Horoskope. Die zwölf Kurztexte sind damit nicht widerlegt. Sie sind ein Anfang — und sie hören genau dort auf, wo es interessant wird.