Horoskop und Partnerschaft: nicht nur die Liebe
Partnerschaft meint in der Astrologie mehr als die Liebe. Gemeint ist eine Bauform: zwei Namen, eine Abmachung, zwei eigene Köpfe. Die Ehe fällt darunter, die Firmengründung zu zweit ebenso — und die Gegenseite eines Rechtsstreits auch. Das ist keine Nachlässigkeit der Überlieferung, sondern ihre interessanteste Beobachtung.
Ein Ort für alles, was zu zweit geschieht
Das siebte Haus des Horoskops fasst zusammen, was der Alltag sorgfältig trennt: den Ehepartner, den Teilhaber, die Gegenpartei im Vertrag, den erklärten Gegner, dazu jeden, der einen vertritt — Anwältin, Maklerin, Agent. Für heutige Ohren ist das eine merkwürdige Gesellschaft.
Die Klammer ist nicht das Gefühl, sondern die Art der Bindung. In allen diesen Fällen geht jemand mit Dir eine Verbindung ein, die keiner von euch geerbt hat: Ihr seid nicht verwandt, ihr habt euch entschieden, und ihr könnt die Sache auch wieder auflösen. Genau darin unterscheiden sich diese Verhältnisse von Eltern und Geschwistern, die im Horoskop an ganz anderer Stelle stehen. Ob aus einer Abmachung eine lange Ehe wird oder ein Prozess, entscheidet der Verlauf — die Bauform ist in beiden Fällen dieselbe.
Eine zweite Unterscheidung gehört dazu, weil sie oft verwischt wird: Hier ist der offene Gegner gemeint, der mit Namen und Anschrift gegenübersteht. Für das Verdeckte ist die Überlieferung an anderer Stelle zuständig. Ein erklärter Gegner ist in dieser Ordnung kein Unglück; er ist ein Gegenüber wie andere auch, nur mit entgegengesetztem Interesse.
Dasselbe Muster in Liebe und Geschäft
Daraus folgt eine Deutungsregel, die sich nachprüfen lässt: Wer privat regelmäßig an Menschen gerät, die bestimmen, verhandelt auch beim Mietvertrag, im Verein und mit dem Kompagnon nach einem verwandten Muster. Nicht identisch — aber erkennbar genug, dass es auffällt, sobald man es nebeneinanderlegt.
Das Nebeneinanderlegen geht ohne jede Berechnung, und dieser Weg herum ist der ehrlichere. Schreib die fünf verbindlichsten Zweierverhältnisse Deines Lebens auf: Beziehungen, Verträge, gemeinsame Vorhaben, dazu die beiden Auseinandersetzungen, die Dich am meisten gekostet haben. Steht in zwei Zeilen dasselbe, hast Du Dein Thema, und zwar belegt. Ein Horoskop kann ein solches Muster benennen, bevor es zum dritten Mal eintritt. Die Liste ersparen kann es Dir nicht.
Wovon die alten Bücher zu viel versprochen haben
Die ältere Literatur hat aus diesem Bereich abgeleitet, wie der künftige Ehepartner aussieht, woher er stammt und was er beruflich tut. Solche Anweisungen stehen ausführlich in den Quellen, und sie sind ein Grund dafür, dass gerade dieser Teil der Astrologie einen zweifelhaften Ruf hat: Nachgeprüft hat das nie jemand mit brauchbarem Ergebnis. Ein Geburtsbild beschreibt, wie sich jemand bindet — nicht, an wen.
Ein Zeitpunkt steht dort ebenso wenig. Wann zwei Menschen einander begegnen, hängt an zwei Lebensläufen und an tausend Umständen, die in keinem der beiden Bilder vorkommen. Und der Satz „Bei mir steht das nun mal so“ ist keine Auskunft aus dem Horoskop, sondern ein Rückzug: Eine Beschreibung benennt eine Neigung, was Du mit ihr machst, bleibt Deine Sache.
Wenn eine Bindung ansteht
Ob Wohngemeinschaft, Firma oder Ehe: Der astrologische Teil beschreibt Neigungen, der Rest ist Handwerk. Nützlich sind drei Fragen, die man besser stellt, bevor es unangenehm wird. Was gehört beiden, was jedem allein? Wer entscheidet, wenn ihr euch nicht einig seid? Und wie sieht ein Ende aus, das keiner von beiden ruiniert?
Ein Horoskop kann Dir sagen, welche dieser drei Fragen Dir erfahrungsgemäß am schwersten fällt — und das ist mehr wert, als es klingt, denn genau die wird gern übersprungen. Beantworten musst Du sie mit dem anderen. Wie ein Geburtsbild überhaupt aufgebaut ist, steht unter Horoskope; die Zeichen der Reihe nach findest Du unter Sternzeichen.