Horoskopanalysen

Astrologie und christlicher Glaube: worum gestritten wird

Darf man ein Horoskop lesen, wenn man an Gott glaubt? Die Frage stellt kaum jemand laut, und sie beschäftigt trotzdem viele. Der Streit dahinter ist alt und gut dokumentiert; man kann ihn nachvollziehen, ohne sich auf eine Seite zu stellen.

Was die Kirchen heute sagen

An den Anfang gehört die Auskunft, die am klarsten ausfällt: Die großen Kirchen lehnen ab. Der Katechismus der katholischen Kirche zählt das Befragen von Horoskopen zur Wahrsagerei und weist es zurück. Die evangelischen Stellen für Weltanschauungsfragen kommen auf anderem Weg zu einem ähnlichen Ergebnis. Aufschlussreich ist erst die Begründung: Der Vorwurf lautet nicht in erster Linie, dass die Astrologie nicht funktioniere.

Wen man fragt

Der eigentliche Vorwurf zielt darauf, dass hier überhaupt gefragt wird — an einer Stelle, an der nach dem Selbstverständnis des Glaubens nicht zu fragen ist. Dieser Punkt trägt den ganzen Streit, und er ist älter als das Christentum: Der Spott der prophetischen Bücher gilt den Sterndeutern Babylons, die alles ausgerechnet haben und die Sache doch nicht abwenden können. Gemeint ist nicht Rechenschwäche, sondern dass Geschaffenes zur Auskunftsstelle wird und einen Platz besetzt, der im Glauben vergeben ist.

Leichter zu fassen ist die Sorge um die Verantwortung. Legt der Himmel bei der Geburt fest, wie ein Mensch handelt, dann ist niemand mehr für etwas gut oder schlecht. Eine Religion, deren Kern die Umkehr ist, kann damit wenig anfangen. Wer sich auf seine Konstellation beruft, hat sich bereits herausgeredet.

Aus dieser Ecke stammt der bekannteste Einwand. Augustinus, der sich als junger Mann selbst mit der Sache befasst hatte, verweist auf Zwillinge: Zwei Kinder kommen fast im selben Augenblick unter fast demselben Himmel zur Welt, und ihre Leben laufen weit auseinander. Astrologen antworten mit Minuten und Graden; erledigt ist der Einwand bis heute nicht.

Warum sie trotzdem an den Universitäten gelehrt wurde

Verschwunden ist die Astrologie dadurch nicht, über Jahrhunderte nicht. Sie stand auf den Lehrplänen der Universitäten, gehörte zur Ausbildung der Ärzte und lieferte die Kalender, nach denen gesät und behandelt wurde. Möglich war das, weil eine Grenze gezogen wurde — nicht zwischen Glauben und Wissenschaft, sondern quer durch das Fach selbst.

Zugelassen war, was auf Wetter, Boden und Körper zielte: Witterung, Aussaat, der Verlauf einer Krankheit. Nicht zugelassen war die Auskunft darüber, wofür sich ein einzelner Mensch entscheiden wird. Gegen diese zweite Art sind mehrfach ausdrückliche Verbote ergangen, während die erste unbehelligt weiterlief.

Die Sterndeuter im Matthäusevangelium

Auf der Gegenseite wird gern eine einzige Stelle angeführt: die Sterndeuter aus dem Osten, die einem Stern nachgehen. Als Beweis taugt sie wenig. Der Text nennt ihre Zahl nicht — die Drei sind späterer Zuwachs —, er nennt sie auch nicht Könige, und er sagt kein Wort darüber, ob ihr Handwerk gutzuheißen sei. Wer die Stelle anführt, hat gezeigt, dass Sterndeuter in der Erzählung vorkommen. Mehr nicht.

Werkzeug oder Glaubenssystem

Hier entscheidet sich der Streit heute. Die Astrologin Liz Greene hat die Astrologie ein Werkzeug genannt und kein Glaubenssystem, das Horoskop eine Landkarte. Eine Karte verlangt keine Zustimmung: Du kannst sie benutzen, für schlecht gezeichnet halten oder liegen lassen. Zu glauben ist daran nichts.

Die Unterscheidung trägt, solange sie eingehalten wird. Sie fällt in dem Augenblick, in dem jemand ein Horoskop fragt, was er tun soll. Dann ist es keine Karte mehr, sondern eine Instanz — und gegen Instanzen dieser Art richtet sich der theologische Vorwurf, ganz gleich, ob an den Deutungen etwas dran ist.

Woran Du Dich halten kannst

Wenn Dir Dein Glaube wichtig ist und die Astrologie Dich trotzdem interessiert, ist die Lage nicht ausweglos. Zwei Fragen reichen als Prüfstein: Nimmst Du eine Beschreibung entgegen oder eine Anweisung? Und bleibt die Entscheidung bei Dir, samt der Verantwortung?

Wo für Dich die Grenze verläuft, entscheidet niemand sonst, und diese Seite versucht es auch nicht. Was die Astrologie über sich selbst behauptet, steht unter Astrologie; woraus ein Geburtsbild zusammengesetzt ist, zeigen die Seiten zu den Planeten und den Sternzeichen.