Astrologie in den Medien
Astrologie im Rundfunk und in der Presse ist ein eigenes Format mit eigenen Zwängen. Die zu kennen erklärt fast alles daran — auch das, was Praktiker daran stört.
Der Zwang, der alles erklärt
Ein Publikum hat keine Geburtszeiten. Damit fallen Aszendent und Häuser weg, also mehr als die Hälfte des Horoskops, und der Mond wird unbrauchbar, weil er alle zweieinhalb Tage das Zeichen wechselt.
Übrig bleibt die Sonne. Nicht weil sie am meisten sagt, sondern weil sie die einzige Größe ist, die sich aus einem Datum allein bestimmen lässt. Alles Weitere folgt daraus.
Was das Format erzwingt
- Zwölf Gruppen, jede mit einem Achtel der Bevölkerung — weit genug gefasst, dass jede Aussage auf die meisten zutrifft.
- Kürze. Zwei Sätze lassen keine Ableitung zu; es bleibt die Behauptung.
- Unwiderlegbarkeit. Eine Aussage, die für Millionen gilt, kann nicht falsch sein — und sagt darum nichts.
Das ist kein Vorwurf an die, die es machen. Es ist die Beschreibung eines Formats, und innerhalb davon lässt sich nichts anderes tun.
Was gute von schlechter Medienastrologie unterscheidet
Es gibt einen Unterschied, und er liegt nicht in der Technik — dort ist er nicht möglich —, sondern in der Redlichkeit:
- Wird gesagt, dass es sich um das Sonnenzeichen handelt und was damit nicht geht?
- Wird Angst vermieden? Eine angekündigte Gefahr, die Millionen betreffen soll, ist das Gegenteil einer Dienstleistung.
- Wird nichts über Gesundheit, Recht oder Geld behauptet?
- Wird zwischen Unterhaltung und Beratung unterschieden?
Die Nebenwirkung
Für die Astrologie als Handwerk hat das Format einen Preis: Die Öffentlichkeit hält für Astrologie, was ihr geringster Ausschnitt ist. Wer sagt, er glaube nicht an Astrologie, meint fast immer die Zeitungsrubrik — und hat damit recht, nur nicht in der Sache, die er meint.
Was die Technik tatsächlich verlangt und hergibt, steht unter das persönliche Horoskop; woran man eine ernsthafte Beratung erkennt, unter seriöse Beratung.