Horoskopanalysen

Die hellenistische Astrologie

Nahezu alles, was die westliche Astrologie ausmacht, entstand in einem Zeitraum von wenigen Jahrhunderten im hellenistischen Ägypten — etwa vom 2. Jahrhundert vor bis zum 7. nach unserer Zeitrechnung.

Was vorher da war

Aus Mesopotamien kamen die Beobachtung der Planeten, die Omendeutung und der Tierkreis als Einteilung in zwölf gleiche Abschnitte. Das ist die babylonische Schicht, und sie ist gut belegt.

Was ihr fehlte, war der Kern der späteren Praxis: das Geburtshoroskop eines einzelnen Menschen, mit Aszendent, Häusern und Deutung nach festen Regeln.

Was im Hellenismus hinzukam

Die Liste ist bemerkenswert. In diesen Jahrhunderten entstanden:

Wer heute klassisch arbeitet, arbeitet mit diesem Bestand.

Die Autoren

Erhalten sind unter anderem Doroteus von Sidon, Vettius Valens, Ptolemäus, Paulus Alexandrinus und Hephaistion von Theben. Sie widersprechen einander regelmäßig — Ptolemäus etwa gibt eine andere Grenzentabelle als alle übrigen —, und diese Widersprüche sind lehrreicher als jede geglättete Zusammenfassung.

Valens ist der interessanteste Fall: kein Systematiker, sondern ein arbeitender Astrologe, dessen Buch voller echter Horoskope steckt, samt dem, was aus den Leuten geworden ist.

Was danach geschah

Das System ging ins Persische und Arabische über, wurde dort weiterentwickelt — die Firdaria und ein Großteil der mundanen Technik stammen von dort —, kam im Mittelalter über Übersetzungen nach Europa zurück und prägte die Praxis bis ins 17. Jahrhundert.

Der Bruch kam erst um 1900, als die Astrologie neu geordnet wurde, teils von Menschen, die die Quellen nicht lesen konnten. Vieles von dem, was heute als „traditionell“ wiederentdeckt wird, ist schlicht das, was damals verloren ging.

Verwandt: die indische Astrologie, die aus derselben hellenistischen Wurzel stammt und sich seit fast zwei Jahrtausenden getrennt entwickelt hat.