Horoskopanalysen

Die indische Astrologie

Die indische Astrologie — Jyotish, „Wissenschaft des Lichts“ — ist eine eigenständige, ununterbrochen praktizierte Überlieferung. Sie teilt mit der westlichen Astrologie die hellenistischen Wurzeln und hat sich seit fast zwei Jahrtausenden getrennt entwickelt.

Der wichtigste Unterschied: der Tierkreis

Die westliche Astrologie verwendet den tropischen Tierkreis: 0° Widder ist der Frühlingspunkt, also der Schnittpunkt von Himmelsäquator und Ekliptik. Er ist an die Jahreszeiten gebunden.

Die indische Astrologie verwendet den siderischen Tierkreis, der an den Fixsternen ausgerichtet ist.

Durch die Präzession — das langsame Wandern der Erdachse — driften beide auseinander, um etwa einen Grad in 72 Jahren. Der Unterschied beträgt heute rund 24 Grad. Praktisch heißt das: Wer westlich Sonne im Widder hat, hat sie indisch meist in den Fischen.

Welcher Tierkreis „richtig“ ist, lässt sich nicht entscheiden — die beiden messen Verschiedenes. Der tropische misst das Verhältnis zur Sonne, der siderische das zu den Sternen.

Die Mondhäuser

Neben den zwölf Zeichen kennt Jyotish 27 Nakshatras — Mondhäuser von je 13°20'. Sie entsprechen ungefähr der täglichen Wanderung des Mondes und sind für die Deutung mindestens so wichtig wie die Zeichen.

Die westliche Tradition kannte Mondhäuser ebenfalls; sie sind dort aber fast vollständig außer Gebrauch gekommen.

Die Zeittechniken

Jyotish arbeitet mit Dashas — Planetenperioden, die ein Leben in Abschnitte teilen. Das bekannteste System, Vimshottari, beruht auf der Stellung des Mondes in seinem Nakshatra bei der Geburt und verteilt 120 Jahre auf neun Planeten, mit Unterperioden und Unter-Unterperioden.

Die westliche Tradition hat mit den Firdaria eine nah verwandte Technik, die denselben persischen Ursprung hat.

Und das Karma

Der Begriff gehört zum weltanschaulichen Rahmen, in dem Jyotish steht, nicht zu seiner Rechentechnik. Ein indisches Horoskop wird nicht anders gerechnet, weil es in einem Zusammenhang gedeutet wird, der Wiedergeburt voraussetzt.

Das ist der Punkt, an dem westliche Darstellungen regelmäßig ungenau werden: Sie übernehmen das Vokabular und lassen die Technik weg. Wer sich für Jyotish interessiert, sollte bei den Rechenwegen anfangen — dem siderischen Tierkreis, den Nakshatras, den Dashas. Der Rest ergibt sich daraus.

Verwandt: die westlichen Sternzeichen, die chinesische Astrologie — ein drittes, wieder anderes System.