Geburtsdaten fürs Horoskop: woher die Uhrzeit kommt
Drei Angaben braucht ein Geburtshoroskop: Tag, Uhrzeit, Ort. Der Tag steht in jedem Ausweis, der Ort ebenfalls. Die Uhrzeit dagegen ist die Angabe, an der die meisten hängenbleiben – und ausgerechnet sie ist die empfindlichste der drei.
Wo die Geburtszeit tatsächlich steht
Ein verbreiteter Irrtum: auf der Geburtsurkunde. Die übliche deutsche Geburtsurkunde nennt Tag und Ort der Geburt, die Uhrzeit in aller Regel nicht. Festgehalten wird sie im Geburtenregister des Standesamts, das für den Geburtsort zuständig ist. Wer sie schwarz auf weiß braucht, beantragt dort einen beglaubigten Ausdruck aus dem Geburtenregister.
Daneben gibt es die weicheren Quellen: das Stammbuch der Familie, Unterlagen der Geburtsklinik, eine Glückwunschkarte mit Uhrzeit, der Kalendereintrag eines Elternteils. Und die Erinnerung – „kurz nach dem Frühstück“. Sie ist mehr wert als nichts, aber sie ist keine Uhrzeit.
Warum gerundete Minuten ein Problem sind
Sehr viele eingetragene Geburtszeiten enden auf null oder fünf. Im Kreißsaal stoppt niemand die Sekunde; notiert wird, was die Uhr an der Wand ungefähr zeigte. Genau dort entsteht die Unschärfe, mit der später gerechnet wird.
Spürbar wird sie überall dort, wo die Tagesdrehung mitspielt. Der Aufgangspunkt am Osthorizont kommt je nach Zeichen und geografischer Breite in einer Stunde mal über ein halbes Zeichen, mal über deutlich mehr hinweg; eine Viertelstunde Unsicherheit verschiebt damit sämtliche Häuserspitzen, und nahe an einem Zeichenwechsel entscheidet sie darüber, welches Zeichen am Aszendenten steht.
Die Falle heißt Sommerzeit
Eingetragen wird die gesetzliche Uhrzeit, die am Geburtsort galt, nicht die Sonnenzeit. Die Umrechnung übernimmt das Programm – aber nur, wenn Du ihm das Richtige gibst. In Deutschland galt eine Sommerzeit von 1916 bis 1918 und dann wieder von 1940 bis 1949; anschließend drei Jahrzehnte lang nicht, und erst seit 1980 gilt sie ohne Unterbrechung. Wer ein Horoskop für eine Geburt vor 1980 rechnet, sieht die Regelung des betreffenden Jahres nach, statt sie anzunehmen.
Rechne selbst nichts um. Trag die Zeit ein, die im Register steht, dazu Datum und Ort; die Zeitzone ergibt sich daraus. Wer die Stunde „vorsichtshalber“ noch einmal zurückstellt, baut genau den Fehler ein, den er vermeiden wollte.
Der Ort ist unkritischer, als viele denken
Gebraucht werden die Koordinaten des Geburtsortes, nicht die der damaligen Wohnung. Innerhalb einer Stadt macht der Stadtteil so gut wie nichts aus: Eine Zeitminute entspricht einem Viertelgrad geografischer Länge, in unseren Breiten also gut fünfzehn Kilometern in Ost-West-Richtung. Wichtig wird der Ort erst bei Ländern mit mehreren Zeitzonen und in Grenzregionen.
Rechnen ohne Uhrzeit
Fehlt sie ganz, setzen die Programme üblicherweise zwölf Uhr mittags an. Das ist eine Verabredung und keine Lösung: Es entsteht ein Bild, das in der Tagesmitte hängt und dessen Häuser niemand ernst nehmen sollte.
Zwei Dinge sind dabei zu wissen. Der Mond läuft rund zwölf bis fünfzehn Grad am Tag und kann innerhalb eines Tages das Zeichen wechseln. Und selbst die Sonne ist nicht in jedem Fall geklärt: Wer an einem Tag geboren ist, an dem sie das Zeichen wechselt, braucht die Stunde schon für die einfachste aller Auskünfte. Wie aus sauberen Daten anschließend ein deutbares Bild wird, zeigen die Horoskope; womit dabei gearbeitet wird, steht bei den Planeten.
Geburtszeitkorrektur, mit Vorsicht
Es gibt ein Verfahren, das aus bekannten Lebensereignissen auf die Geburtszeit zurückrechnet: die Rektifikation. Sie wird geübt und ist innerhalb der Astrologie umstritten, weil das Ergebnis davon abhängt, welche Ereignisse man auswählt und welcher Technik man folgt. Zwei Fachleute kommen selten auf dieselbe Minute. Behandle ein so gewonnenes Bild als Arbeitsgrundlage, nicht als Tatsache.