Im Zentrum des Sturms: was am Bild dran ist
„Im Zentrum des Sturms“ heißt ein Buch der Astrologin Antonia Langsdorf über das Jahr 2012. Der Titel ist treffender, als er beim ersten Hören wirkt — nur meint er etwas anderes, als die meisten vermuten. Wer ihn hört, denkt an das Schlimmste: mittendrin, wo es am heftigsten zugeht. In einem wirklichen Sturm ist die Mitte der ruhigste Ort.
Das Auge und die Wand ringsherum
Ein tropischer Wirbelsturm trägt in seinem Zentrum ein Auge, ein Gebiet von meist einigen Dutzend Kilometern Durchmesser. Dort weht kaum Wind, häufig reißt sogar der Himmel auf. Die heftigsten Winde wehen nicht in der Mitte, sondern ringsum in der Wolkenwand, die das Auge umgibt. Wer darunter gerät, erlebt deshalb eine Pause, auf die kein Verlass ist: Danach kommt derselbe Sturm ein zweites Mal, diesmal aus der Gegenrichtung.
Als Bild für eine schwierige Lebensphase taugt das etwas, weil es zwei Dinge gleichzeitig sagt. Es gibt ruhige Stellen mitten in einer unruhigen Zeit. Und sie bedeuten nicht, dass die Sache ausgestanden ist. Wer beides weiß, richtet sich anders ein als jemand, der die Stille für das Ende hält.
Krise heißt Entscheidung
Das Wort, das in solchen Zeiten am häufigsten fällt, kommt aus dem Griechischen. „Krisis“ gehört zu einem Verb, das scheiden, unterscheiden und entscheiden bedeutet. In der antiken Medizin bezeichnete es den Punkt, an dem eine Krankheit umschlägt — zum Besseren oder zum Schlechteren, aber jedenfalls: sie schlägt um. Gemeint war also kein Zustand, in dem man feststeckt, sondern der kurze Abschnitt, in dem sich etwas herausstellt.
Im heutigen Gebrauch ist daraus fast das Gegenteil geworden: etwas, das andauert und dessen Ende man erfragen möchte. Die Umdeutung ist verständlich, sie kostet aber das Beste am Wort. Wer eine schwierige Phase als Entscheidungsphase versteht, sucht nicht nach einem Datum, an dem sie vorbei sein wird, sondern nach dem, was sich in ihr gerade sortiert.
Der Quantensprung, der keiner ist
Ein zweites Wort taucht in Gesprächen über Umbruchzeiten fast zwangsläufig auf: der Quantensprung, gemeint als gewaltiger Satz nach vorn. In der Physik bezeichnet er beinahe das Gegenteil. Gemeint ist der Wechsel eines Elektrons von einem Energieniveau auf das nächste — die kleinste Änderung, die an einem Atom überhaupt möglich ist. Bemerkenswert daran ist nicht die Größe, sondern dass es dazwischen nichts gibt: kein allmähliches Hinübergleiten, keine Zwischenstellung.
Das Missverständnis ist verzeihlich und trotzdem lehrreich. An der Größe eines Wortes lässt sich nicht ablesen, wie groß die Sache ist, für die es steht — nur, wie groß sie dem erscheint, der es ausspricht. In Zeiten, die als Wende empfunden werden, wächst der Wortschatz schneller als der Gegenstand.
Warum ein Kreis kein Ende kennt
Bleibt die Frage, die Astrologen in unruhigen Jahren zuverlässig gestellt bekommen: Steht uns das Ende bevor? Dazu lässt sich etwas sagen, das gar nicht an der Deutung hängt, sondern an der Rechenweise selbst. Astrologie rechnet mit Umläufen. Jupiter ist knapp zwölf Jahre unterwegs, bis er wieder am selben Punkt des Tierkreises steht, Saturn rund neunundzwanzig, und ebenso kehren die Winkel zwischen ihnen wieder.
Ein Modell, das ausschließlich aus solchen Kreisen besteht, enthält kein letztes Datum. Es kann angeben, dass etwas wiederkommt, und ungefähr wann. Ein Ende kann es nicht hergeben, weil darin nichts endet. Das ist weder Trost noch Entwarnung, sondern eine Angabe über die Reichweite eines Verfahrens: Mit einem Zirkel zeichnet man keine Geraden.
Was in einer schwierigen Zeit übrig bleibt, ist bescheidener und brauchbarer als jede große Ankündigung — die Auskunft, dass Phasen einen Umfang haben, und ein paar Wörter, um Deine eigene Lage zu beschreiben. Worum es in diesem Fach im Ganzen geht, steht unter Astrologie; die Umlaufzeiten der einzelnen Himmelskörper stehen bei den Planeten.