Beliebteste Astrologen, beliebteste Horoskopseiten: was Ranglisten wirklich messen
Wer nach den bekanntesten Astrologen oder den besten Horoskopseiten sucht, landet zuverlässig bei einer Liste. Zehn Namen, fünfzehn Adressen, eine Reihenfolge, fertig. Solche Aufstellungen lesen sich gut, weil sie Ordnung in ein unübersichtliches Feld bringen. Die Frage ist nur, woher diese Ordnung kommt – und darauf gibt kaum eine dieser Seiten eine Antwort.
Eine offizielle Rangliste gibt es nicht
Eine Stelle, die astrologische Arbeit prüft und in eine Reihenfolge bringt, gibt es nicht. Zuverlässig messbar ist in diesem Feld ohnehin nur eines: Reichweite. Klicks, Abrufe, Erwähnungen, Suchpositionen – daraus lässt sich eine Rangfolge bauen, und genau das geschieht. Sie sagt Dir dann, wer viele Leser erreicht, und sonst nichts.
Das ist keine Kleinigkeit. Bekanntheit entsteht durch Auftritte in Zeitschriften und im Fernsehen, durch gute Platzierungen in Suchmaschinen, durch einen einprägsamen Namen und durch eine Domain, die seit zwanzig Jahren existiert. All das kann mit sorgfältiger Arbeit zusammenfallen. Es muss aber nicht.
Wie solche Listen entstehen
Für die meisten Rankings im Netz kommen drei Bauweisen infrage, und oft sind sie gemischt:
- Nach Sichtbarkeit. Die Redaktion schaut nach, wer bei bestimmten Suchbegriffen weit oben steht, und übernimmt diese Reihenfolge. Gemessen wird damit vor allem Suchmaschinenoptimierung.
- Nach persönlichem Geschmack. Jemand stellt zusammen, was er selbst kennt und schätzt. Das kann klug ausgewählt sein, ist aber eine Meinung und keine Erhebung.
- Nach Vergütung. Plätze werden bezahlt, oder die Links sind Partnerlinks, bei denen jeder Abschluss über diesen Weg Geld einbringt. Die Reihenfolge folgt dann der Provision.
Keine dieser Bauweisen ist von vornherein verwerflich. Problematisch wird es erst, wenn das Ergebnis wie eine neutrale Messung präsentiert wird, obwohl die Methode verschwiegen bleibt.
Was in einer Liste stehen müsste
Ein paar Fragen reichen meistens aus. Steht dabei, nach welchen Kriterien sortiert wurde? Gibt es ein Datum, und wann wurde zuletzt geprüft? Ist Werbung als Werbung gekennzeichnet? Wird begründet, warum ein einzelner Eintrag es auf die Liste geschafft hat, oder steht dort nur ein Name mit zwei Adjektiven? Und wird irgendwo gesagt, wer eigentlich zusammengestellt hat?
Fehlen diese Angaben alle, hast Du keine Rangliste vor Dir, sondern eine Linksammlung mit Nummern davor. Das darf sie sein – Du solltest sie nur nicht für mehr halten.
Horoskopseiten selbst beurteilen
Statt einer fremden Reihenfolge zu vertrauen, kannst Du in wenigen Minuten selbst prüfen, womit Du es zu tun hast. Nützlich sind vor allem diese Punkte:
- Was wird abgefragt? Eine Seite, die nur nach dem Sternzeichen fragt, kann auch nur über das Sonnenzeichen sprechen. Wer Geburtsdatum, Uhrzeit und Ort verlangt, berechnet ein vollständiges Bild mit Häusern und Aszendent.
- Wird die Methode benannt? Seriöse Anbieter schreiben dazu, was berechnet wurde und worauf die Deutung beruht. Fehlt das, bleibt unklar, ob überhaupt gerechnet wurde.
- Trifft der Text nur auf Dich zu? Mach die Gegenprobe und lies denselben Abschnitt unter einem fremden Zeichen. Passt er dort genauso gut, ist er allgemein gehalten und nicht gerechnet.
- Was passiert mit Deinen Daten? Geburtsdatum, Uhrzeit und Ort sind persönliche Angaben. Eine Datenschutzerklärung, die verständlich sagt, was gespeichert wird, gehört dazu.
- Wo endet der frei lesbare Teil? Ein Text, der genau vor der interessanten Stelle abbricht, und ein Zähler, der dazu rückwärts läuft, gehören zur Verkaufstechnik und nicht zur Deutung.
Bekanntheit sagt wenig über Passung
Selbst eine ehrlich zusammengestellte Rangliste beantwortet Deine eigentliche Frage nicht. Sie lautet ja nicht, wer die meisten Leser hat, sondern wer so schreibt und arbeitet, dass es Dir etwas bringt. Dafür gibt es eine einfache Probe: Lies zwei oder drei frei zugängliche Texte von derselben Quelle. Verstehst Du, wovon die Rede ist? Werden Begriffe erklärt oder nur eingestreut? Bleibt nach dem Lesen etwas hängen, mit dem Du arbeiten kannst?
Wenn Du in ruhigem Tempo anfangen möchtest, sind frei verfügbare Texte ein guter Einstieg – etwa die kostenlosen Horoskope oder das kostenlose Wochenhoroskop. Wer lieber die Grundlagen zuerst versteht, findet sie unter Astrologie und bei den Planeten. Beides bringt Dich weiter als jede Top-Ten-Liste, in der Du am Ende doch nur dem Ersten glaubst, weil er oben steht.