Sternzeichen Krebs: der Krebs am Nachthimmel
Ein Breitenkreis auf jeder Weltkarte ist nach dem Krebs benannt, und am Himmel bekommst Du ihn trotzdem kaum zu Gesicht. Das Sternbild ist das lichtschwächste des ganzen Tierkreises; kein einziger auffälliger Stern gehört dazu. Über den Charakter der Krebs-Geborenen findest Du überall etwas, deshalb geht es hier um die andere Hälfte: um den Krebs am Nachthimmel, um die Herkunft seines Namens und um den Breitenkreis, der danach heißt. Dein Sternzeichen hängt übrigens nicht an diesen Sternen, sondern am Stand der Sonne im Jahreslauf; gedeutet wird der Abschnitt, und was dabei herauskommt, steht bei den Sternzeichen.
Ein Sternbild, das man suchen muss
Dem Krebs fehlt der helle Stern, mit dem sich andere bemerkbar machen, und in einer Stadt mit normaler Straßenbeleuchtung siehst Du von ihm gar nichts. Das liegt nicht an Deinen Augen; dort ist nichts Helles.
Gefunden wird er über seine beiden hellen Nachbarn. Auf der einen Seite stehen die Zwillinge mit ihrem auffälligen Sternpaar, auf der anderen der Löwe mit Regulus. Zieh in Gedanken eine Linie von Pollux hinüber zu Regulus: Sie läuft mitten durch den Krebs. An Frühlingsabenden steht er in Mitteleuropa am höchsten; gut zu suchen ist er von Februar bis April.
Die Krippe: der eine Anblick, der sich lohnt
Mitten in diesem dunklen Feld steht etwas, das seinen Ruf verdient: ein offener Sternhaufen, schon im Altertum als Krippe bekannt, lateinisch Praesepe. In den Katalogen trägt er die Nummer M 44.
Bei wirklich dunklem Himmel und ohne Mond nimmst Du ihn mit bloßem Auge als kleinen milchigen Fleck wahr — nicht als Sterne, als Wölkchen. Ein einfaches Fernglas zerlegt den Fleck in Dutzende einzelner Punkte. Insgesamt gehören mehrere hundert Sterne dazu, rund sechshundert Lichtjahre von uns entfernt; damit ist die Krippe einer der nächstgelegenen offenen Sternhaufen überhaupt.
Weil sie nur bei klarer Luft sichtbar wird, galt ihr Verschwinden lange als Wetterzeichen — keine Astrologie, sondern eine vernünftige Beobachtung über aufziehenden Dunst. Und gleich eine Verwechslung hinterher: Der oft genannte Krebsnebel liegt nicht im Krebs, sondern im Stier.
Woher der Name stammt
Die griechische Sage erzählt es knapp. Während Herakles mit der vielköpfigen Hydra kämpfte, schickte Hera ihm eine Krabbe, die ihn in den Fuß zwickte. Herakles zertrat sie. An den Himmel gesetzt wurde sie trotzdem, gewissermaßen für den Versuch; hell geworden ist sie dabei nicht.
Älter als die Sage sind die Figuren selbst. Der Tierkreis geht auf babylonische Sternlisten zurück, und die Griechen haben ihre Erzählungen an Bilder gehängt, die sie schon vorfanden. Bei einer Figur aus lauter schwachen Sternen merkt man das besonders deutlich: Aus diesen Punkten hätte niemand von sich aus ein Tier herausgelesen.
Der Wendekreis des Krebses
Bei etwa dreiundzwanzigeinhalb Grad nördlicher Breite läuft eine Linie um die Erde: der nördliche Wendekreis, auch Wendekreis des Krebses. Sie bezeichnet die nördlichste Stelle, an der die Sonne einmal im Jahr senkrecht über dem Kopf steht. Ihren Namen hat sie von dem Zeichen, in das die Sonne an diesem Tag eintritt.
Der Name ist alt, und er hat eine Wanderung nicht mitgemacht. Die Erdachse taumelt sehr langsam — für einen Umlauf braucht sie Jahrtausende —, und dadurch verschieben sich die Jahrespunkte gegenüber den Sternbildern. Als die Linie benannt wurde, fiel der Sommeranfang mit dem Sternbild Krebs zusammen; heute steht die Sonne an diesem Tag vor ganz anderen Sternen. Umbenannt wurde deswegen nichts: In jedem Atlas heißt die Linie nach wie vor nach dem Krebs, und in vielen anderen Sprachen ebenso.
Was Du damit anfängst
Für den nächsten klaren Frühlingsabend hast Du eine Aufgabe: Pollux und Regulus suchen, die Linie dazwischen ziehen, das Fernglas daraufhalten. Viel mehr braucht es nicht, und der milchige Fleck, der dabei in lauter einzelne Punkte zerfällt, bleibt einem länger im Gedächtnis als jede Eigenschaftsliste. Und wenn Dich danach die andere Hälfte interessiert — was aus dem Sonnenstand gedeutet wird und mit welchem Handwerk —, fängst Du bei der Astrologie an.