Horoskopanalysen

Buch des Lebens: woher der Titel kommt

· Horoskop Blogroll Horoskopanalysen Das Buch des Lebens

Unter dem Titel „Buch des Lebens“ werden persönliche Horoskopanalysen zu einer Mappe zusammengefasst. Der Ausdruck ist geborgt, und er ist sehr viel älter als jede Mappe. Es lohnt sich zu wissen, woher er stammt: Er verspricht etwas, das keine Analyse einlösen kann — und die Überlieferung, aus der er kommt, verspricht es selbst gar nicht.

Ein Buch, in dem Namen stehen

Im Judentum gehört das Bild zum Jahreswechsel. Zu Rosch ha-Schana wird nach dieser Vorstellung eingeschrieben, wer im kommenden Jahr im Buch des Lebens steht, und zu Jom Kippur wird das Geschriebene besiegelt. Auch die Offenbarung des Johannes kennt ein Buch des Lebens: Am Ende wird es aufgeschlagen, und was darin steht, sind Namen.

Damit ist die erste Stelle erreicht, an der das Bild und eine Horoskopanalyse weit auseinanderliegen. In keiner dieser Quellen enthält das Buch eine Beschreibung. Kein Charakter, keine Anlagen, keine Begabungen — ein Name steht darin oder er steht nicht darin. Es ist ein Verzeichnis und kein Porträt.

Zehn Tage, in denen sich der Eintrag noch ändert

Bemerkenswert ist, was die Überlieferung selbst mit ihrem Bild anstellt. Zwischen den beiden Festtagen liegen zehn Tage der Umkehr, und in einem der Gebete dieser Zeit heißt es, Umkehr, Gebet und Wohltätigkeit wendeten die Härte des Urteils ab. Das Buch ist also geschrieben und trotzdem nicht fertig. Ausgerechnet dort, wo man ein festgeschriebenes Schicksal erwarten würde, ist eine Frist eingebaut, in der sich etwas ändern lässt.

Die Sprache ist voll von diesem Bild

Dass uns der Ausdruck so leicht von der Hand geht, liegt daran, dass wir ohnehin in ihm reden. Ein Kapitel wird abgeschlossen, ein neues Blatt aufgeschlagen, ein Lebenslauf wird geschrieben statt gelebt. Ein Leben als Text zu denken, bringt Ordnung hinein: Ein Text hat einen Anfang, eine Reihenfolge und einen Schluss, und irgendwo liegt er schon fertig vor. Genau diese Beruhigung steckt in dem Titel.

Was ein Geburtsbild dagegen ist

Ein Geburtsbild ist die Zeichnung eines einzigen Augenblicks: wo die Himmelskörper standen, als jemand zur Welt kam. Darin ist alles gleichzeitig. Es gibt keine erste und keine letzte Seite, keine Handlung, keinen Schluss. Steht in einem fertigen Text trotzdem eine Geschichte, dann hat sie jemand hinzugefügt — nicht unbedingt zu Unrecht, aber sie stand nicht in der Zeichnung.

Alles, was mit Verlauf zu tun hat, kommt aus eigenen Rechnungen hinzu und bleibt an Zeiträume gebunden. Aus der Zeichnung der Geburt allein folgt kein Nacheinander, und schon gar keine Reihenfolge von Ereignissen.

Was in der Mappe wirklich liegt

Am ehesten ein Stapel Entwürfe. Zu jeder Stelle des Bildes steht dort, was aus ihr werden kann, und zwar von jemandem aufgeschrieben, der Dich nicht kennt. Wer das als Verzeichnis liest, in dem sein Name bereits eingetragen ist, liest es falsch herum. Merkwürdig genug: Der ältere Sinn des Titels liegt dem Verfahren näher als der neuere. Auch dort war etwas geschrieben und trotzdem nichts entschieden.

Warum der Titel überhaupt etwas ausmacht

Ein Name auf einem Umschlag ist kein Argument, weder für noch gegen den Inhalt. Er stellt aber die Erwartung ein, mit der jemand zu lesen anfängt, und die entscheidet mit, was am Ende dabei herauskommt. Wer eine Auskunft über Feststehendes erwartet, findet in jedem Absatz entweder eine Bestätigung oder eine Enttäuschung, und beides bringt ihn keinen Schritt weiter. Wer eine Beschreibung von Anlagen erwartet, kann mit denselben Absätzen arbeiten.

Einen Überblick über die einzelnen Deutungsarten gibt die Seite Horoskope; was ohne Bestellung zu haben ist, liegt unter kostenlose Horoskope.