Wenn das Büffeljahr wiederkommt
Alle zwölf Jahre trägt der Kalender wieder den eigenen Zweig. Wer als Büffel geführt wird — manche Tabellen schreiben Ochse —, hatte das zuletzt 2021, und das nächste Mal ist 2033 an der Reihe. Naheliegend wäre, sich darauf zu freuen: das eigene Tier, der eigene Platz im Kreis. In Ostasien gilt eher das Gegenteil, und die Begründung dafür ist aufschlussreicher als jede Charakterliste.
Ein Jahr, vor dem gewarnt wird
Für die Wiederkehr des eigenen Zeichens gibt es im Chinesischen ein eigenes Wort; übersetzen lässt es sich ungefähr mit „Jahr des eigenen Schicksalszeichens“. Gemeint ist damit keine Feier, sondern eine Mahnung zur Vorsicht. Diese zwölf Monate gelten als anstrengend, unfallträchtig und streitanfällig — als Zeit, in der man besser nichts Waghalsiges anfängt.
Die volkstümliche Begründung läuft über den Jahresgott, der in dieser Vorstellung über jedes Jahr wacht. Wer den Zweig des laufenden Jahres selbst trägt, kommt ihm zu nahe; wer ihm im Kreis genau gegenübersteht, ebenfalls, in einem Büffeljahr also die im Zeichen der Ziege Geborenen. Beides zusammen nimmt sich ein Sechstel aller Menschen vor. Schon daran siehst Du, wie grob dieses Raster ist.
Rot, und zwar geschenkt
Der Brauch, der dazugehört, ist bis heute lebendig: Im eigenen Tierjahr trägt man Rot. Eine rote Schnur ums Handgelenk, rote Socken, ein roter Gürtel, rote Wäsche — nah am Körper und möglichst das ganze Jahr über. Vielerorts gehört dazu, dass man diese Sachen nicht selbst kauft, sondern von Angehörigen geschenkt bekommt.
Diese zweite Hälfte des Brauchs ist die interessantere. Der Schutz, um den es angeblich geht, lässt sich nicht besorgen. Er muss von jemandem kommen, der weiß, dass Du ihn in diesem Jahr brauchst.
Warum ausgerechnet dieses Jahr
Eine Beobachtung macht den Brauch nachvollziehbarer, und sie kommt ohne jede Astrologie aus. Das eigene Tierjahr trifft ein Lebensalter, das durch zwölf teilbar ist: zwölf, vierundzwanzig, sechsunddreißig, achtundvierzig, sechzig. Im Lebenslauf sind das keine beliebigen Zahlen. Mit zwölf hört die Kindheit auf, um die vierundzwanzig herum entscheidet sich bei vielen, wovon sie leben werden, und mit sechzig rückt das Ende der Erwerbsarbeit in Sichtweite.
Ein Kalender, der in Zwölferschritten zählt, setzt seine Marken also genau dort, wo sich ohnehin etwas verschiebt. Dass diese Jahre als unruhig gelten, ist unter dieser Voraussetzung keine große Prophezeiung.
Welche Jahrgänge es betrifft
Als Büffel gelten die Jahrgänge 1925, 1937 und 1949, dann 1961, 1973 und 1985, danach 1997, 2009 sowie 2021. Dein eigenes Tierjahr brauchst Du in keiner Tabelle zu suchen: Zähl vom Geburtsjahr in Zwölferschritten weiter, dann hast Du sie alle. Nur wer im Januar oder Februar Geburtstag hat, prüft besser nach, ob nicht noch das Vorjahrestier gilt.
Was Du davon behältst
Als Vorhersage taugt das eigene Tierjahr nichts. Es beruht auf einer einzigen Zahl, dem Geburtsjahr, und die teilst Du mit einem kompletten Jahrgang. Wer ernsthaft mit diesem System arbeitet, hält ein Jahr ohnehin nicht gegen ein einzelnes Tier, sondern gegen das vollständige Geburtsbild.
Als Brauch ist die Sache trotzdem hübsch, und zwar aus einem Grund, der mit Deutung nichts zu tun hat. Es gibt nicht viele Anlässe, die verlässlich alle zwölf Jahre wiederkehren und bei denen jemand anderes daran denkt. Eine rote Schnur, die zum Neujahrsfest im Umschlag liegt, ist im Kern eine Nachricht: Wir haben mitgezählt. Wie der Kalender aufgebaut ist, in dem sich die zwölf Tiere abwechseln, zeigt die chinesische Astrologie.