Ptolemäus
Claudius Ptolemäus, tätig in Alexandria um die Mitte des 2. Jahrhunderts, ist der einflussreichste Autor der westlichen Astrologie. Er war nicht ihr Erfinder, und die Unterscheidung lohnt sich.
Was er geschrieben hat
Zwei Werke, die zusammengehören:
Der Almagest — das astronomische Handbuch, das die Bewegungen der Himmelskörper berechenbar macht. Es blieb vierzehn Jahrhunderte lang das maßgebliche Werk der Astronomie, bis Kopernikus.
Der Tetrabiblos — „vier Bücher“, die Deutung. Buch I und II behandeln die Grundlagen und die mundane Astrologie, Buch III und IV die Geburtshoroskopie.
Die Reihenfolge ist Programm: erst rechnen, dann deuten.
Was ihn auszeichnet
Er versucht als erster, die Astrologie naturphilosophisch zu begründen, statt sie als Überlieferung weiterzugeben. Seine Erklärung läuft über die vier Qualitäten: die Gestirne wirken durch Wärme, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit auf die sublunare Welt, wie es die Sonne mit den Jahreszeiten sichtbar tut.
Das ist der Grund, warum er alles ablehnt, was sich so nicht erklären lässt — die Lose, einen Teil der Zeitherrscherverfahren, vieles an Überlieferung, das andere Autoren mitführen.
Warum er nicht der erste war
Vor ihm liegen Jahrhunderte Praxis. Doroteus von Sidon schrieb sein Lehrgedicht im 1. Jahrhundert; Vettius Valens, sein Zeitgenosse, hinterließ eine Sammlung mit Hunderten echter Horoskope. Die Grundlagen — Aszendent, Häuser, Würden, Sekte — sind älter als er.
Ptolemäus ist ein Reformer, der eine bestehende Praxis prüft und um das kürzt, was seine Theorie nicht trägt.
Warum das für die Praxis zählt
Weil seine Fassung nicht immer die verbreitete ist — und der Unterschied greifbar wird.
Am deutlichsten bei den Grenzen (Termen): Ptolemäus gibt eine eigene Tabelle, die von der ägyptischen abweicht, die fast alle anderen Autoren verwenden. Ein Planet kann nach der einen in seiner eigenen Grenze stehen und nach der anderen nicht. Wer eine Grenze deutet, muss sagen, welcher Tabelle er folgt.
Dass Ptolemäus im Westen so lange als die Autorität galt, liegt am Gewicht des Almagest: wer in der Astronomie recht behielt, dem glaubte man auch in der Deutung.
Zum Lesen
Der Tetrabiblos liegt in mehreren Übersetzungen vor und ist der beste Einstieg in die Quellen — aber er ist die theoretische Darstellung. Wer sehen will, wie im 2. Jahrhundert tatsächlich gearbeitet wurde, liest Valens daneben: weniger geordnet, voller echter Fälle.
Verwandt: die hellenistische Astrologie, die Fixsterne.