Das dreizehnte Sternzeichen: was am Schlangenträger dran ist
Die Schlagzeile taucht in gewissen Abständen wieder auf, und sie wirkt jedes Mal von Neuem: Es gebe ein dreizehntes Sternzeichen, den Schlangenträger, und wer zwischen Ende November und Mitte Dezember geboren ist, sei in Wahrheit gar kein Schütze. Die Entwarnung ist kurz: Man muss nur zwei Wörter auseinanderhalten, die im Alltag dasselbe zu bedeuten scheinen.
Der Schlangenträger ist nichts Neues
Das Sternbild Schlangenträger, lateinisch Ophiuchus, steht seit der Antike in den Verzeichnissen. Ptolemäus führt es im zweiten Jahrhundert unter den achtundvierzig Sternbildern auf, die er zusammengestellt hat. Dass die scheinbare Jahresbahn der Sonne dieses Sternbild streift, war also nie ein Geheimnis und ist keine Entdeckung. Berichtet wurde jedes Mal über etwas, das in jedem Sternatlas nachzuschlagen ist.
Sternbild und Tierkreiszeichen sind zwei verschiedene Dinge
Ein Sternbild ist ein Stück Himmel. Menschen haben helle Punkte zu einer Figur verbunden und ihr einen Namen gegeben. Die Flächen, die dabei herauskommen, sind unterschiedlich groß und ziemlich unregelmäßig geschnitten.
Ein Tierkreiszeichen ist dagegen ein Maß. Der Kreis, den die Sonne im Lauf eines Jahres beschreibt, wird in zwölf gleich große Abschnitte zu dreißig Grad geteilt. Zwölf mal dreißig ergibt dreihundertsechzig — die Einteilung geht restlos auf, weil sie genau so gebaut wurde. Die Zeichen tragen zwar die Namen von Sternbildern, aber sie sind keine. Sie sind Striche auf einem Lineal.
Warum Sternbilder als Einteilung nicht taugen
Seit 1930 sind die Grenzen der Sternbilder international einheitlich festgelegt; vorher zog sie jeder Atlas ein wenig anders. Entlang der Sonnenbahn fallen diese Abschnitte sehr verschieden aus. Für das Sternbild Jungfrau braucht die Sonne über sechs Wochen, für das Sternbild Skorpion knapp eine Woche, und den Schlangenträger durchquert sie in rund zweieinhalb Wochen.
Ein Tierkreis aus Sternbildern hätte also Abschnitte von sechs Tagen neben Abschnitten von über vierzig Tagen — und er würde sich verschieben, sobald jemand die Grenzlinien neu zieht. Genau deshalb rechnet die Astrologie seit der Antike mit gleich großen Abschnitten und nicht mit Bildern.
Woran der Tierkreis wirklich hängt
Der Nullpunkt des westlich gebräuchlichen Tierkreises ist kein Stern, sondern ein Zeitpunkt: die Frühlings-Tagundnachtgleiche. Dort beginnt der Widder, und die übrigen elf Abschnitte folgen ihm. Was ein Zeichen anzeigt, ist damit die Stellung der Sonne im Jahreslauf — im Kern also die Jahreszeit, in die Du hineingeboren wurdest.
Wie viele Sternbilder hinter dieser Skala liegen, ändert an der Skala nichts. Es gibt daneben eine ältere Streitfrage, ob man den Tierkreis lieber an Sternen festmacht als an der Tagundnachtgleiche. Das ist ein eigenes Thema und hat mit der Meldung vom dreizehnten Zeichen nichts zu tun.
Für Dein Geburtsbild ändert sich nichts
Deine Datumsspanne bleibt, wie sie war. Und selbst wenn Du sie verschieben wolltest: Das Sonnenzeichen ist ohnehin nur einer von vielen Bausteinen. Mond, Aszendent und die übrigen Planeten stehen in Deinem Bild unabhängig davon, wie viele Figuren jemand am Himmel zählt. Was in den zwölf Abschnitten jeweils steht, kannst Du unter Sternzeichen nachlesen.
Warum die Geschichte trotzdem regelmäßig zurückkommt, ist schnell erklärt: Sie verspricht in einem einzigen Satz eine persönliche Umwälzung, und das ist eine gute Schlagzeile. Ärgerlich wird sie erst, wenn niemand dazusagt, dass Bild und Maß eben nicht dasselbe sind.