Der chinesische Kalender
Der chinesische Kalender wird oft „Mondkalender“ genannt. Genauer ist lunisolar: Er richtet die Monate nach dem Mond und hält sie zugleich mit dem Sonnenjahr im Takt. Aus dieser Doppelbindung folgt fast alles, was an ihm eigentümlich wirkt.
Das Grundproblem
Zwölf Mondmonate ergeben rund 354 Tage, das Sonnenjahr 365. Ein reiner Mondkalender wandert deshalb jedes Jahr um elf Tage durch die Jahreszeiten — im islamischen Kalender ist das so und dort auch gewollt.
Ein Kalender, der die Landwirtschaft ordnen soll, kann das nicht gebrauchen: Die Aussaat muss im Frühling liegen. Also wird nachgeholfen.
Der Schaltmonat
Etwa alle zwei bis drei Jahre wird ein ganzer dreizehnter Monat eingefügt. Er trägt keinen eigenen Namen, sondern wiederholt den vorangehenden — ein „zweiter fünfter Monat“.
Welcher Monat verdoppelt wird, ist nicht willkürlich, sondern folgt der Stellung der Sonne: Ein Monat, in den kein sogenannter Hauptteilpunkt des Sonnenjahres fällt, wird zum Schaltmonat. Das ist eine elegante Lösung, weil sie keine Tabelle braucht, sondern sich aus der Beobachtung ergibt.
Die vierundzwanzig Abschnitte
Parallel zu den Mondmonaten läuft eine reine Sonnengliederung: vierundzwanzig Abschnitte zu je fünfzehn Grad Sonnenlauf, mit Namen wie „Frühlingsbeginn“, „Getreideregen“ oder „Kleine Kälte“.
Diese Abschnitte sind der landwirtschaftlich brauchbare Teil des Kalenders und fallen jedes Jahr auf fast denselben Tag — weil sie nichts mit dem Mond zu tun haben.
Warum der Jahresbeginn nicht eindeutig ist
Hier liegt der Grund für die häufigste Fehlzuordnung bei den Tierzeichen.
Es gibt zwei vertretbare Antworten, und die Schulen sind geteilt:
- Das Neujahrsfest — der erste Tag des ersten Mondmonats, zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Das ist der volkstümliche Jahresbeginn.
- Der Frühlingsbeginn — der Sonnenabschnitt lìchūn, um den 4. Februar. Das ist der Jahresbeginn, mit dem die meisten Bazi-Schulen rechnen.
Die beiden Daten liegen bis zu zwei Wochen auseinander. Wer in diesem Zeitraum geboren ist, bekommt je nach Schule ein anderes Tierzeichen — und keine der beiden Zuordnungen ist schlicht falsch. Man sollte nur wissen, mit welcher man rechnet.
Der Sechzigerzyklus
Über allem liegt der Zyklus aus zehn Himmelsstämmen und zwölf Erdzweigen, der sich erst nach sechzig Jahren wiederholt. Er zählt nicht nur Jahre, sondern auch Monate, Tage und Doppelstunden — und er ist der eigentliche Gegenstand der chinesischen Astrologie, während die zwölf Tiere nur seine sichtbarste Schicht sind.