Die fünf Schweine des Sechzigerzyklus
Wer sagt, er sei im Jahr des Schweins geboren, hat damit erst die Hälfte gesagt. Zum Tier gehört stets auch ein Himmelsstamm, und mit ihm eine der fünf Wandlungsphasen. Ein Feuer-Schwein und ein Wasser-Schwein sind zwei verschiedene Ausgangslagen, auch wenn beide dasselbe Tier nennen.
Warum es fünf sind und nicht zehn
Der chinesische Kalender läuft in zwei Reihen: zehn Himmelsstämme, zwölf Erdzweige. Beide rücken Jahr für Jahr um eine Stelle weiter, und weil in beiden Reihen Yang und Yin abwechseln, trifft ein Yin-Zweig nie auf einen Yang-Stamm. Das Schwein ist der zwölfte Zweig, und er ist Yin. Über ihm steht deshalb immer ein Yin-Stamm — davon gibt es fünf, je einen für Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Erst nach sechzig Jahren kehrt dieselbe Kombination wieder.
Die Jahrgänge
- Holz-Schwein: 1935, 1995 — das nächste 2055.
- Feuer-Schwein: 1947, 2007 — das nächste 2067.
- Erd-Schwein: 1959, 2019.
- Metall-Schwein: 1911, 1971 — das nächste 2031.
- Wasser-Schwein: 1923, 1983 — das nächste 2043.
Jedes dieser Jahre beginnt zwischen Ende Januar und Mitte Februar, nicht am 1. Januar. Wer in diesen Wochen Geburtstag hat, prüft das Datum, bevor er sich einordnet.
Dass die Jahre so heißen, ist im Chinesischen keine Spielerei. Die Revolution, die 1911 begann und das Kaiserreich beendete, heißt bis heute Xinhai-Revolution: xin ist der Metall-Stamm, hai der Zweig des Schweins. Das Jahr trägt seinen Kalendernamen als Eigennamen — und sechzig Jahre später, 1971, stand wieder ein Metall-Schwein im Kalender.
Was der Stamm über dem Zweig ändert
Der Zweig des Schweins trägt selbst Wasser. Interessant ist deshalb das Verhältnis der beiden Ebenen zueinander, und dafür genügen zwei Regeln der fünf Phasen: Jede nährt eine andere, jede beherrscht eine dritte. Wasser nährt Holz, Metall nährt Wasser; Erde beherrscht Wasser, Wasser beherrscht Feuer.
- Holz-Schwein — der Zweig nährt den Stamm. Was unten liegt, kommt oben zum Ausdruck; die Bewegung geht nach außen.
- Metall-Schwein — der Stamm nährt den Zweig. Die Richtung kehrt sich um: Zufluss von oben, ein Jahrgang, dem sein eigenes Element reichlich zur Verfügung steht.
- Wasser-Schwein — beide Ebenen dieselbe Phase. Verstärkung ohne Gegengewicht, und zu viel von einer Phase gilt in der Tradition nicht als Vorteil.
- Feuer-Schwein — Wasser und Feuer stehen im beherrschenden Verhältnis. Zwei Kräfte, die einander im Weg sind: Spannung, die antreiben oder aufreiben kann.
- Erd-Schwein — Erde dämmt Wasser. Begrenzung von oben, Form, die dem Fließenden Halt gibt oder es staut.
Das sind keine Charakterurteile, sondern Verhältnisse. Sie beschreiben, wie zwei Ebenen einer einzigen Säule miteinander umgehen — mehr nicht.
Warum das Jahr nur der Anfang ist
Die Jahressäule ist eine von vieren; Monat, Tag und Stunde haben ebenfalls Stamm und Zweig, und für die Person selbst gilt in der Praxis der Tagesstamm. Was einen Wasser-Schwein-Jahrgang verbindet, ist deshalb eine Färbung des Hintergrunds und kein Charakter.
Eines aber hat die Paarung aus Stamm und Zweig sehr wohl mit einem einzelnen Leben zu tun: Sie kehrt nach sechzig Jahren wieder, und das noch zu Lebzeiten. Wer 1959 als Erd-Schwein geboren wurde, hat 2019 dieselbe Kombination ein zweites Mal erlebt. In Ostasien ist der sechzigste Geburtstag deshalb ein Fest eigener Art — der Punkt, an dem der Kalender einmal ganz herum ist. Wie die vier Säulen zusammen gerechnet werden, steht bei der chinesischen Astrologie.