Horoskopanalysen

Der babylonische Ursprung

Die Astrologie beginnt in Mesopotamien. Was dort entstand und was nicht, lässt sich heute recht genau sagen — die Keilschrifttafeln sind erhalten, datiert und entziffert.

Was von dort kommt

Die systematische Beobachtung. Über Jahrhunderte geführte Aufzeichnungen von Planetenständen, Finsternissen und Mondphasen. Die astronomischen Tagebücher laufen mit Unterbrechungen vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit um Christi Geburt — eine der längsten Beobachtungsreihen der Menschheitsgeschichte.

Der Tierkreis als Zwölferteilung. Die Einteilung der Ekliptik in zwölf gleiche Abschnitte von je dreißig Grad entsteht im 5. Jahrhundert v. Chr. Sie ist eine rechnerische Vereinfachung: die Sternbilder sind ungleich groß, gleiche Abschnitte lassen sich rechnen.

Die Omendeutung. Die Serie Enūma Anu Enlil mit rund siebzig Tafeln verbindet Himmelserscheinungen mit Folgen für König und Land.

Die Sexagesimalrechnung. Grad, Minuten, Sekunden — wir rechnen bis heute in babylonischen Einheiten.

Was von dort nicht kommt

Der wichtige Teil, und er wird oft übergangen.

Die babylonische Deutung galt dem König und dem Land, nicht der einzelnen Person. Es gibt späte babylonische Geburtshoroskope — ab dem 5. Jahrhundert v. Chr., einige Dutzend sind erhalten —, aber sie listen Planetenstände, ohne zu deuten.

Es fehlt alles, was die spätere Praxis ausmacht: Aszendent und Häuser, die Würdenlehre, die Sekte, die geometrische Aspektlehre, die Zeitherrscher. Das entsteht im hellenistischen Ägypten, Jahrhunderte später. Siehe die hellenistische Astrologie.

Warum diese Unterscheidung zählt

Weil die Behauptung, die Astrologie sei „fünftausend Jahre alt und seither unverändert“, in beide Richtungen falsch ist.

Sie ist alt — älter als die meisten noch praktizierten Deutungskünste. Und sie hat sich mehrfach grundlegend verändert: von der Königsomina zum Geburtshoroskop, von dort über die persische und arabische Weiterentwicklung nach Europa, und schließlich der Bruch um 1900.

Beides zu wissen ist besser, als eine ehrwürdige Zahl zu nennen. Das Alter beweist ohnehin nichts über die Richtigkeit — die Säftelehre war ebenso alt und ist weg.

Verwandt: die hellenistische Astrologie, siderisch und tropisch.