Horoskopanalysen

Das indische Horoskop

Ein indisches Horoskop — Jyotish — enthält dieselben Planeten und dieselben zwölf Häuser wie ein westliches, und wird doch anders gerechnet und anders gelesen.

Die vier Unterschiede, die zählen

Der Tierkreis. Siderisch statt tropisch, also an den Fixsternen ausgerichtet statt am Frühlingspunkt. Der Unterschied beträgt heute rund 24 Grad — ein westlicher Widder ist indisch meist ein Fisch. Siehe siderisch und tropisch.

Die Mondhäuser. 27 Nakshatras von je 13°20', die ungefähr der täglichen Wanderung des Mondes entsprechen. Für die Deutung mindestens so wichtig wie die Zeichen — und im Westen fast vollständig außer Gebrauch gekommen, obwohl die Tradition sie kannte.

Die Unterhoroskope. Die Vargas: Teilungen des Tierkreises in neun, zwölf, sechzehn Teile und mehr, aus denen jeweils ein eigenes Diagramm entsteht. Das Navamsha, die Neunteilung, wird für Ehe und für die Tragfähigkeit eines Versprechens gelesen. Etwas Vergleichbares hat die westliche Praxis nicht.

Die Zeitherrscher. Die Dashas teilen ein Leben in Perioden. Das Vimshottari-System verteilt 120 Jahre auf neun Planeten, mit Unter- und Unter-Unterperioden; der Ausgangspunkt ist die Stellung des Mondes in seinem Nakshatra bei der Geburt.

Was gleich ist

Mehr, als die Darstellungen meist zugeben. Beide Systeme teilen dieselbe hellenistische Wurzel: die sieben Planeten, die zwölf Häuser, die Herrschaftslehre, die Aspekte. Die westlichen Firdaria und die indischen Dashas sind nah verwandt und gehen auf denselben persischen Ursprung zurück.

Die beiden Traditionen sind also keine fremden Gebäude, sondern zwei Zweige, die sich vor knapp zwei Jahrtausenden getrennt haben.

Was zur Deutung nötig ist

Dasselbe wie im Westen: Datum, genaue Uhrzeit, Ort. Die Uhrzeit ist hier womöglich noch empfindlicher, weil die Vargas den Tierkreis fein unterteilen — im Navamsha entspricht ein Abschnitt gut drei Grad, also wenigen Minuten Geburtszeit.

Ein Hinweis zur Vorsicht

Jyotish wird im Westen häufig von Anbietern verwendet, die weder den siderischen Tierkreis noch die Dashas tatsächlich rechnen, sondern westliche Deutungen mit indischem Vokabular versehen. Wer es ernsthaft sucht, fragt nach dem Ayanamsa und nach dem verwendeten Dasha-System. Wer darauf keine Antwort hat, rechnet nicht indisch.

Verwandt: die indische Astrologie, die hellenistische Wurzel.